»Rettet uns, Ritter, habt Mitleid mit Verwaisten!«
Eine Schar von Offizieren näherte sich neugierig, da sie die Weiber knieen sahen, besonders aber, da sie der Anblick des hübschen Mädchens anlockte. Der kleine Ritter aber war sehr verwirrt, hob Frau Boska in die Höhe und ließ sie auf eine Bank nieder.
»O Gott,« sagte er, »was tut Ihr? Eher müßte ich vor Euch, der würdigen Frau, knieen. So sprecht doch, wenn ich Euch Hilfe erweisen kann — so wahr ein Gott im Himmel ist, es soll geschehen!«
»Er wird es tun, auch ich will dazu beitragen, — Sagloba sum. Das wird der gnädigen Frau genügen!« rief der von den Tränen der Frauen gerührte alte Krieger.
Da winkte Frau Boska Sophiechen, und diese brachte schnell aus ihrem Mieder einen Brief hervor, den sie dem kleinen Ritter reichte.
Dieser blickte auf die Schrift hin und sagte:
»Vom Herrn Hetman!«
Da erbrach er das Siegel und begann zu lesen:
»Mein sehr lieber und teurer Wolodyjowski! Durch Herrn Bogusch habe ich Dir von unterwegs meinen aufrichtigen Gruß und Instruktionen geschickt, welche Dir Herr Bogusch persönlich ankündigen wird. Jetzt, wo ich kaum nach den Mühsalen in Jaworowo Halt gemacht habe, bietet sich gleich wieder eine zweite Sache dar; sie liegt mir gar sehr am Herzen, und zwar um des Wohlwollens willen, das ich für die Soldaten habe, denn vergäße ich ihrer, so würde Gott meiner vergessen. Herrn Boski, einen Ritter von großem Ansehen und einen lieben Genossen, hat die Horde bei Kamieniez vor einigen Jahren gefangen. Seiner Frau und seiner Tochter habe ich in Jaworowo Zuflucht geboten, aber ihr Herz weint, der einen dem Gatten, der anderen dem Vater nach. Ich habe auch Herrn Piotrowitsch und Herrn Slotnizki, unseren Residenten in der Krim, geschrieben, man solle dort Boski überall suchen lassen; es heißt auch, man habe ihn gefunden, aber er werde verborgen gehalten, er könne darum mit den anderen Gefangenen nicht herausgegeben werden und frone gewiß bis zum heutigen Tage auf den Galeeren. Die Frauen sind in Verzweiflung, und da sie die Hoffnung ganz verloren haben, haben sie auch schon aufgehört, mich mit der Sache zu betrauen, aber ich, der ich eben zurückgekehrt bin und die unüberwindliche Trauer sehe, ich kann es nicht über mich gewinnen, den Mann ohne Hilfe zu lassen. Du bist dort ganz nahe, und mit vielen Mirzen hast Du, wie ich weiß, Bruderschaft geschlossen; ich schicke Dir also die Frauen, versag' ihnen die Hilfe nicht. Piotrowitsch wird in kurzem reisen; gib' ihm Briefe an Deine Bruderschafter. Ich kann weder an den Vezier noch an den Khan schreiben, denn sie sind nicht meine Freunde, und dann fürchte ich, sie könnten in Anbetracht meiner Briefe Boski für eine außerordentlich hervorragende Persönlichkeit halten und ein gar zu hohes Lösegeld fordern. Lege dem Piotrowitsch diese Angelegenheit ans Herz, befiehl ihm, ohne Boski nicht zurückzukehren, und setze alle Deine Bruderschafter in Bewegung. Wenn sie auch Heiden sind, den geschworenen Eid halten sie, und vor Dir haben sie großen Respekt. Handle im übrigen nach Gutdünken, fahre nach Raschkow, versprich drei hervorragende Männer als Gegengabe, wenn nur Boski heimkehrt. Niemand kennt all' die Mittel und Wege besser als Du, denn, wie ich höre, hast Du schon Deine eigenen Verwandten ausgelöst. Gott wird Dich segnen, und ich werde Dich noch mehr lieben, denn mein Herz wird aufhören zu bluten. Von Deinem Chreptiow habe ich gehört, daß dort bereits Ruhe herrsche, — das habe ich erwartet. Auf Asba habe wohl acht. De publicis wird Dir Herr Bogusch alles mitteilen. Späht um Gottes willen sorgfältig nach der Walachei aus, denn der große Einfall wird wohl nicht ausbleiben. Indem ich Deinem Herzen und Deiner Sorgfalt Frau Boska empfehle, zeichne ich mich usw.«
Frau Boska weinte beständig, während der Brief gelesen wurde, und Sophie vergoß ebenfalls Tränen und erhob ihre blauen Augen zum Himmel.