»Wenn der alte Khan lebte,« sagte Herr Nienaschyniez, »dann ginge alles noch leichter, denn er war uns sehr geneigt, und von dem jungen sagt man das Gegenteil. Auch diese armenischen Kaufleute, die von Herrn Zacharias Piotrowitsch heimgeholt werden sollen, sind schon zur Regierungszeit des jungen Khan in Baktschissaraj selber gefangen worden, und das soll, wie man sagt, auf des Khans Befehl geschehen sein.«

»Der Junge wird sich ändern, wie sich der Alte geändert hat, der, ehe er sich von unserer Redlichkeit überzeugte, der erbittertste Feind des polnischen Namens war,« sagte Sagloba. »Ich weiß das am besten, denn ich habe sieben Jahre bei ihm in der Gefangenschaft geschmachtet. Mein Anblick wird euch Mut geben; — sieben Jahre ... kein Spaß. Und doch bin ich zurückgekommen, und habe so viele von diesen Hunden zusammengehauen, daß ich für jeden Tag meiner Gefangenschaft mindestens zweie in die Hölle geschickt habe, und für die Sonn- und Feiertage, weiß Gott, ob nicht drei oder vier herauskommen, ha!«

»Sieben Jahre!« wiederholte Frau Boska mit einem Seufzer.

»Sterben soll ich, wenn ich einen Tag zuviel gesagt habe! Sieben Jahre im Palast des Khans selber,« bekräftigte Sagloba, geheimnisvoll mit den Augen zwinkernd. »Und Sie müssen wissen, daß der junge Khan mein ...« hier flüsterte er Frau Boska etwas ins Ohr. Plötzlich brach er in ein lautes »Ha-ha-ha!« aus, schlug mit den Händen auf die Kniee, und endlich klopfte er im Eifer auch Frau Boska aufs Knie und sagte: »Fürwahr, schöne Zeiten, was? In der Jugend hieß, was auf dem Felde war, Feind, und jeden Tag gab's einen neuen Streich, ha!«

Die würdige Matrone war ganz verwirrt und entfernte sich ein wenig von dem lustigen Ritter; die jungen Frauen senkten die Augen, denn sie vermuteten, daß die Streiche, von welchen Sagloba sprach, ihrer angeborenen Bescheidenheit unangemessen seien, um so mehr, als die Soldaten in ein schallendes Gelächter ausbrachen.

»Man wird bald zu Herrn Ruschtschyz schicken müssen,« sagte Bärbchen, »damit Herr Piotrowitsch die Briefe in Raschkow schon vorfinde.«

Darauf versetzte Bogusch: »Eilt, meine Herrschaften, mit der ganzen Angelegenheit, solang es noch Winter ist; denn erstens streifen um diese Zeit keine Banden umher, und die Wege sind sicher; und dann, Gott weiß, was im Frühling kommen kann!«

»Hat der Herr Hetman Nachrichten aus Stambul gehabt?« fragte Wolodyjowski.

»Ja, und wir müssen über dieselben noch besonders sprechen. Das ist gewiß, daß man auch mit jenen Hauptleuten schnell ein Ende machen muß. Wann kommt Mellechowitsch zurück? — denn von ihm hängt viel ab.«

»Er soll nur den Rest der Horden niederhauen und dann die Leichen begraben. Er muß noch heute zurückkommen oder morgen früh. Ich habe ihm befohlen, nur die Unsrigen zu begraben: die Leute Asbas kann er allenfalls liegen lassen, denn der Winter steht bevor, und die Pest haben wir nicht zu fürchten. Übrigens werden die Wölfe sie fortschaffen.«