»Der zukünftige Hetman der Tataren.«

Der Glanz des Feuerscheins fiel in diesem Augenblick auf Asya und beleuchtete sein furchtbares und zugleich schönes Gesicht. Und Bogusch war's, als stände ein anderer Mensch vor ihm, eine solche Größe, ein solcher Stolz umgab die Gestalt des jungen Tataren. Und Bogusch empfand auch, daß Asya die Wahrheit spreche. Wenn der Hetman einen solchen Aufruf erließ, unzweifelhaft würden alle Lipker und Tscheremissen zurückkehren, und viele der wilden Tataren würden sie mit sich ziehen. Der alte Edelmann kannte die Krim sehr gut, in der er zweimal als Sklave und dann, vom Hetman ausgelöst, als Gesandter gewesen war; er kannte den Hof von Baktschissaraj, er kannte die Horden, die vom Don bis zur Dobrudscha saßen, er wußte, daß im Winter zahlreiche Stämme Hungers starben, er wußte, daß den Mirzen der Despotismus und die Habgier der Basken unerträglich geworden, daß es in der Krim selber häufig zu Empörungen komme; darum begriff er sofort, daß der fruchtreiche Boden und die Privilegien unzweifelhaft alle diejenigen anziehen würden, welchen es in den alten Wohnsitzen schlecht erging, welchen sie zu eng oder unsicher geworden waren.

Er begriff auch, daß sie um so schneller dem Rufe folgen würden, wenn es Tuhaj-Beys Sohn war, der sie rief. Er allein konnte es vollbringen, kein anderer; er konnte mit dem Ruhme seines Vaters die Stämme zur Empörung bringen, die eine Hälfte der Krim gegen die andere unter die Waffen rufen, die wilden Horden von Bialogrod aufrütteln und die ganze Macht des Khans, ja selbst die des Sultans erschüttern.

Wenn der Hetman die Gelegenheit wahrnehmen wollte, so konnte er den Sohn des Tuhaj-Bey als einen Mann betrachten, den ihm die Vorsehung gesandt hatte.

Bogusch begann also Asya mit anderen Augen zu betrachten, und erstaunte immer mehr, wie solche Gedanken in seinem Kopfe entstehen mochten. Der Schweiß lief dem Ritter in Perlen über die Stirn, so ungeheuer erschienen ihm Asyas Pläne. Und doch blieben ihm immer noch Zweifel in der Seele. Darum sagte er nach einer Weile:

»Und weißt du auch, daß um solcher Dinge willen Krieg mit der Türkei kommen müßte?«

»Der Krieg kommt auch so; warum ist den Horden befohlen, nach Adrianopel zu ziehen? Nur dann gibt es keinen Krieg, wenn im Reiche des Sultans selber Zwistigkeiten entstehen. Wenn es aber dazu kommt, ins Feld zu rücken, so wird die Hälfte der Horde auf unserer Seite sein.«

Für alles hat der Schlaukopf ein Argument — dachte Bogusch.

»Es wirbelt mir im Kopfe,« sagte er nach einer Weile; »siehst du, Asya, in jedem Falle ist das kein leichtes Ding. Was würde der König sagen, der Kanzler, die Stände, der ganze Adel, der zum größten Teil dem Hetman unfreundlich gesinnt ist?«

»Ich brauche nur die Erlaubnis des Hetmans schriftlich, und wenn wir erst hier sitzen, mögen sie uns dann herausdrängen, — wer wird uns herausdrängen, und auf welche Weise? Gern möchtet ihr die Saporoger aus der Sitsch verjagen, aber ihr könnt es nicht.«