»Wenn mir der Hetman den Willen ließe und das Recht dazu gäbe, ich würde nicht nur die Hauptleute zurückführen, ich würde die Hälfte der Horde in den Dienst des Hetmans stellen. Gibt es wenig wüsten Boden in der Ukraine und in den wilden Feldern? Mag der Hetman nur verkündigen, daß jeder Tatar, der in die Republik kommt, ein Edelmann wird, und daß er in seinem Glauben nicht bedrückt werden, daß er unter seiner eigenen Fahne dienen solle, daß sie alle ihren eigenen Hetman haben sollen, wie ihn die Kosaken haben — meinen Kopf gäbe ich dafür, daß in kürzester Frist die ganze Ukraine von ihnen wimmeln wird. Die Lipker werden kommen und die Tscheremissen, aus der Dobrudscha, aus Bialogrod, ebenso aus der Krim werden sie kommen, ihre Herden werden sie hertreiben, ihre Frauen und Kinder werden sie herfahren. Schüttelt nicht mit dem Kopfe, sie werden kommen, wie sie in früheren Zeiten gekommen sind, und der Republik jahrhundertelang treu gedient haben. In der Krim und überall bedrücken sie der Khan und die Mirzen, und hier sollen sie Edelleute werden und Schwerter tragen und unter ihrem eigenen Hetman ins Feld rücken. Ich schwöre es Euch, daß sie kommen, denn dort sterben sie Hungers. Und wenn es unter den Stämmen bekannt wird, daß ich im Namen des Hetmans rufe, daß Tuhaj-Beys Sohn ruft, so werden Tausende hierherkommen.«

Bogusch griff sich mit der Hand nach dem Kopfe.

»Bei den Wundern Gottes, Asya, wie kommen dir solche Gedanken? Was würde das geben!«

»Es gäbe in der Ukraine ein Volk der Tataren, wie es ein Volk der Kosaken gibt. Den Kosaken habt ihr Privilegien und einen Hetman zugestanden, warum solltet ihr das für uns nicht zugestehen? Ihr sagt, was das geben würde? Einen zweiten Chmielnizki würde es nicht geben, denn wir würden den Kosaken den Fuß auf den Nacken setzen; Bauernaufstände würde es nicht geben, Gemetzel und Verwüstungen auch nicht — Doroschenko würde nicht hier sein, denn wenn er es wagte, sich zu erheben, wäre ich der erste, der ihn zu den Füßen des Hetmans hinführt, damit er ihn peitsche. Und wollte die ganze Macht der Türken gegen euch ziehen, wir würden den Sultan bekriegen, wollte der Khan seine Scharen gegen euch loslassen, wir schlügen den Khan. Haben die Lipker und Tscheremissen nicht in früheren Zeiten so getan, obwohl sie den Glauben Mohammeds bekannten? Warum sollten wir anders handeln, wir, die Tataren der Republik, wir Edelleute ... Und nun erwägt: Die Ukraine wird Frieden haben, die Kosaken werden niedergehalten, gegen die Türken habt ihr einen Schutz und etliche zehntausend Mann mehr — das ist mein Plan, das ist's, worüber ich brüte, das ist's, weshalb Krytschynski, Adurowitsch, Morawski, Tworkowski mir folgen, das ist's, weshalb die halbe Krim auf meinen Ruf diese Steppen überfluten wird.«

Bogusch war so erstaunt und so überwältigt von Asyas Worten, daß es ihm war, als seien die Wände des Zimmers plötzlich auseinander gerückt, und als hätten sich seinen Augen plötzlich neue Länder gezeigt. Lange Zeit konnte er kein Wort sprechen; er starrte nur den jungen Tataren an, der mit großen Schritten im Zimmer auf und nieder ging. Endlich sagte dieser:

»Ohne mich könnte sich das nicht vollziehen, denn ich bin der Sohn des Tuhaj-Bey. Vom Dniepr bis zur Donau gibt es keinen ruhmreicheren Namen unter den Tataren.«

Dann fügte er nach einer Weile hinzu:

»Was gilt mir Krytschynski, Tworkowski und die anderen! Nicht um jene ist es mir zu tun, nicht um einige tausend Lipker und Tscheremissen, sondern um die ganze Republik. Es heißt, wenn der Frühling kommt, steht ein großer Krieg mit der ganzen Macht des Sultans bevor; aber lasset mich nahen, und ich will unter den Tataren ein Feuer entzünden, daß der Sultan selbst sich die Hände verbrennen soll.«

»Bei Gott, wer bist du, Asya!« rief Bogusch aus.

Und er warf den Kopf zurück und sprach: