»Effendi,« sagte Halim zaghaft, »und wenn der große Löwe nicht zustimmt?«

»Sobieski?«

»So ist's.«

Wieder blitzte ein roter Schein in Asyas Augen auf, aber es dauerte nur einen Augenblick. Sein Gesicht beruhigte sich sofort wieder, dann ließ er sich auf der Bank nieder, stützte sein Haupt auf die Ellenbogen und versank in tiefes Sinnen.

»Ich habe in meinem Verstande erwogen,« sagte er endlich, »was der große Hetman sagen kann, wenn ihm Bogusch die glückliche Neuigkeit verkündet. Der Hetman ist weise und wird zustimmen, der Hetman weiß, daß es bis zum Frühling Krieg mit dem Sultan gibt, und hier in der Republik gibt es weder Geld noch Menschen zu diesem Krieg. Und wenn auch Doroschenko mit den Kosaken auf der Seite des Sultans steht, so kann für ganz Polen das Ende kommen, um so eher, als weder der König noch die Stände an den Krieg glauben und sich rüsten. Ich habe hier ein scharfes Ohr für alles, ich weiß alles, was an dem Hofe des Hetmans gesprochen wird, und Bogusch hat vor mir kein Geheimnis. Herr Sobieski ist ein großer Mann, er wird zustimmen, denn er weiß, wenn die Tataren hier Freiheit und Land bekommen, so kann auch in der Krim und in der Steppe der Dobrudscha der Bürgerkrieg beginnen. Die Macht der Horden wird schwach, und der Sultan selbst muß zunächst daran denken, jenen Sturm niederzuhalten ... Inzwischen wird der Hetman Zeit haben, sich besser vorzubereiten, inzwischen werden die Kosaken und Dorosch in ihrer Treue gegen den Sultan schwankend werden. Dies ist das einzige Mittel für die Republik, die so schwach ist, daß schon die Rückkehr einiger tausend Lipker für sie eine Bedeutung hat. Der Hetman weiß das, der Hetman ist klug, der Hetman wird beistimmen.«

»Ich demütige mich vor deinem Verstande, Effendi,« antwortete Halim. »Was aber wird sein, wenn Allah dem großen Löwen das Licht nimmt, oder wenn der Satan ihn so verblenden wird in seinem Dünkel, daß er deine Pläne von sich weist?«

Asya näherte sein wildes Gesicht dem Ohre Halims und flüsterte ihm zu:

»Du bleibe jetzt hier, bis die Antwort vom Hetman kommt, und auch ich will nicht eher nach Raschkow. Wenn er dort meine Pläne verwirft, so schicke ich dich zu Krytschynski und den anderen. Du wirst ihnen den Befehl überbringen, an jener Seite des Flusses bis an Chreptiow heranzurücken und bereit zu sein, und ich will hier in der ersten besten Nacht mit meinen Lipkern das Kommando überfallen und ihnen den Garaus machen.«

Asya machte eine Gebärde mit dem Finger über den Hals und fügte nach einer Weile hinzu: »Wir wollen sie hängen, hängen, hängen!«