»Rede!«
»Hüte dich vor dem kleinen Ritter, er ist furchtbar, er ist berühmt in der Krim und in der Dobrudscha.«
»Und hast du, Halim, von Chmielnizki gehört?«
»Wohl habe ich gehört, und ich habe Tuhaj-Bey gedient, der mit Chmielnizki gegen die Lechen in den Krieg zog, die Schlösser erstürmte und Beute fortschleppte.«
»Und weißt du auch, daß Chmielnizki dem Tschaplinski die Frau entführt hat, daß er sie zu sich genommen und Kinder von ihr hatte, wie? Krieg hat es gegeben, und alle Heere des Hetmans und des Königs und der Republik haben sie ihm nicht entrissen. Er hat die Hetmans, die Könige und die Republik geschlagen, denn mein Vater hat ihm geholfen, und überdies war er der Hetman der Kosaken. Und wer werde ich sein? Der Hetman der Tataren! Land müssen sie mir geben, reich und viel, und eine Burg zur Residenz, und rings um die Stadt werden die Stämme lagern auf reichem Boden, und bei den Stämmen die guten Mannen der Horden mit ihren Bogen und Schwertern in großer Zahl. Und wenn ich sie dann auf meine Burg entführe, und sie, die liebliche, zum Weibe nehme und zur Hetmansgattin mache — wer wird die Macht haben? Ich! Wer wird sie von mir fordern — der kleine Ritter? Wenn er am Leben sein wird! Und wenn er auch lebte, und wenn er auch heulte wie ein Wolf, und wenn er vor den König selbst seine Klage trüge — glaubst du, daß sie mit mir einen Krieg führen werden um einen blonden Zopf? Einen solchen Krieg haben sie schon gehabt: die halbe Republik ging in Flammen auf. Wer wird sie mir rauben! Der Hetman? Dann verbünde ich mich mit den Kosaken, schließe mit Dorosch Bruderschaft und gebe das Land dem Sultan? Ich, der zweite Chmielnizki, ich, besser als Chmielnizki. Ein Löwe wohnt in mir. Wenn sie mir gestatten, sie zu nehmen, so will ich ihnen dienen, will ich gegen die Kosaken kämpfen, gegen den Khan, gegen den Sultan, wenn nicht, so will ich ganz Polen mit den Hufen zertreten, die Hetmane in das Joch nehmen, die Heere vernichten, die Schlösser in Flammen stecken, die Menschen niedermachen, ich, Tuhaj-Beys Sohn, ich, der Löwe.«
Hier glühten Asyas Augen in rotem Licht. Die weißen Eckzähne leuchteten wie dereinst die Tuhaj-Beys, er hob die Hand empor und schüttelte sie drohend nach Norden; er war groß, furchtbar und schön, so daß Halim sich schnell verbeugte und mit leiser Stimme wiederholte: »Allah Kerim, Allah Kerim!«
Ein langes Schweigen trat ein, allmählich wurde Asya ruhig, endlich sagte er:
»Bogusch war hier, ihm habe ich meine Macht und meinen Plan entdeckt, daß in der Ukraine neben dem Volk der Kosaken ein Volk der Tataren sein solle, und neben einem Hetman der Kosaken ein Hetman der Tataren.«
»Und er hat zugestimmt?«
»Er fuhr sich nach dem Kopf und lag fast zu meinen Füßen, und am folgenden Tage eilte er zum Hetman mit der glückverheißenden Neuigkeit.«