»Ja, das ist es, das ist es, dasselbe habe ich Asya gesagt,« versetzte Bogusch.
»Seltsam sind die Wege des Herrn,« antwortete der Hetman. »Der alte Tuhaj hat Ströme Blutes in unserem Vaterland vergossen, und der junge dient ihm oder hat ihm wenigstens bis heute treu gedient, denn ich weiß nicht, ob es ihn jetzt nicht gelüsten wird, die Krimsche Größe zu genießen. Jetzt, jetzt ist er noch treu.«
»Und hier beginnt eine zweite Neuigkeit, in der vielleicht die Kraft und die Rettung für die unglückselige Republik liegt. So helfe mir Gott, wie ich um dieser Nachricht willen der Mühen und Gefahren nicht achtete, um sie so schnell als möglich über meine Lippen zu bringen, und das abgehärmte Herz des gnädigen Herrn zu erfreuen.«
»Ich höre aufmerksam,« sagte Sobieski. Bogusch begann nun die Pläne des jungen Tuhaj-Bey zu entwickeln, und das mit solchem Eifer, daß er geradezu beredt wurde. Von Zeit zu Zeit goß er mit erregt zitternder Hand Met in sein Glas, es bis an den Rand mit dem edlen Getränk füllend, und hörte nicht auf zu sprechen ... Vor den erstaunten Augen des großen Hetmans erstanden gleichsam lichte Bilder der Zukunft; Tausende und Myriaden von Tataren ziehen mit Weibern, Kindern und Herden in das Land und in die Freiheit ein; die erschreckten Kosaken, welche diese verjüngte Kraft der Republik sehen, beugen demütig vor ihr, vor dem König und dem Hetman das Knie, es gibt keine Rebellion mehr in der Ukraine, und auf den alten Heidenwegen fluten nicht mehr Scharen, die wie Feuer und Wasser das Land vernichten, nach Reußen; an ihrer Stelle ziehen neben den polnischen und kosakischen Heeren die Scharen des ukrainischen Tatarenadels über die endlose Steppe mit Fanfarengeschmetter und Paukenschall.
»Jahre hindurch ziehen Scharen herein, den Befehlen des Khans und des Sultans trotzend, zahlreiches Fußvolk, das Freiheit und Recht der Bedrückung und den fruchtbaren Boden und das Brot der Ukraine den kargen bisherigen Wohnsitzen vorzieht, und die Macht, die dereinst feindlich gewesen war, steht im Dienste der Republik, — die Krim wird entvölkert, den Händen des Khans und des Sultans entwindet sich die alte Macht, und ein Schrecken erfaßt sie, denn von der Steppe, von der Ukraine her schaut ihnen der neue Hetman des neuen Tatarenadels drohend ins Auge, ein Wächter der Republik und ihr treuer Verteidiger, des furchtbaren Vaters berühmter Sohn — der junge Tuhaj-Bey!«
Boguschs Gesicht glühte; die eigenen Worte schienen ihn zu berauschen, und so hob er am Ende seiner Rede beide Hände empor und rief aus:
»Das ist es, was ich bringe, das ist's, was der junge Drache in den Wüsten von Chreptiow ausgebrütet. Und nun bedarf es nur Eurer Schrift und Eurer Vollmacht, damit er nach der Krim und an die Donau den Ruf ergehen lasse. Gnädiger Herr, wenn Tuhaj-Beys Sohn nichts weiter tun sollte, als daß er in der Krim und an der Donau die Fackel der Zwietracht entzündet, daß er die Hydra des Bürgerkrieges aus dem Schlummer weckt, die einen Stamm gegen die anderen aufreizt, wahrlich, so wird er auch damit am Vorabend des Bürgerkrieges, wiederhol' ich, der Republik einen großen unsterblichen Dienst erweisen!«
Sobieski ging mit großen Schritten im Zimmer auf und nieder und schwieg; sein prächtiges Antlitz war düster, fast drohend, er schien mit sich selbst oder mit Gott zu sprechen.
Endlich schien es klar zu werden in seinem Innern, denn er wandte sich zu dem Harrenden mit den Worten:
»Bogusch, eine solche Schrift und eine solche Vollmacht, hätte ich auch das Recht, sie zu geben, ich gebe sie nie, solange ich lebe.«