Die Worte kamen so gewichtig aus seinem Munde, als seien sie aus geschmolzenem Blei oder Eisen gegossen, und drückten Bogusch so nieder, daß er einen Augenblick verstummte, den Kopf sinken ließ und erst nach langer Pause gepreßt hervorstammelte:
»Warum das, gnädiger Herr, warum?«
»Erst will ich dir antworten als Staatsmann. Der Name des jungen Tuhaj-Bey könnte zwar eine gewisse Anzahl von Tataren heranziehen, wenn man ihnen überdies Land, Freiheit und Adelsprivilegien verspräche; aber es kämen nicht so viele, wie Ihr meint, und dann wäre es eine Tat des Wahnsinns, die Tataren in die Ukraine zu rufen, ein neues Volk dort ansässig zu machen, da wir uns mit den Kosaken schon nicht zu helfen wissen. Du sagst, es werde zwischen ihnen bald Streit und Krieg entbrennen, und wir haben ein Schwert über dem Nacken der Kosaken; — wer aber bürgt dir, daß jenes Schwert nicht auch im polnischen Fleische wühlen würde? Ich habe diesen Asya bisher nicht gekannt, jetzt aber sehe ich, daß in seinem Busen der Drache des Hochmuts und des Ehrgeizes wohnt, und darum sage ich noch einmal: wer bürgt dir dafür, daß nicht ein zweiter Chmielnizki in ihm steckt? Er wird die Kosaken bändigen, gut; aber wenn die Republik ihn in irgend etwas nicht befriedigt oder für irgend eine Gewalttat mit Gesetz und Strafe bedroht, dann wird er sich mit den Kosaken verbünden und neue Scharen von Osten herbeirufen, wie einst Chmielnizki den Tuhaj-Bey hereinrief. Dann wird er sich dem Sultan selbst botmäßig machen, wie es Doroschenko getan hat, und anstatt unsere Macht erhöht zu sehen, wird neues Blutvergießen, werden neue Niederlagen auf unser Haupt fallen.«
»Gnädiger Herr, wenn die Tataren Edelleute geworden sind, werden sie treu zur Republik stehen.«
»Waren die Lipker und Tscheremissen gering an Zahl? Von alters her waren sie Edelleute und sind doch zum Sultan übergetreten.«
»Den Lipkern wurden die Privilegien nicht gehalten.«
»Und wie, wenn der Adel, wie sicher ist, von vornherein einer solchen Ausbreitung der Adelsrechte widersprechen wird? Mit welcher Stirn willst du diesen wilden, räuberischen Massen, die bisher ununterbochen dieses unser Vaterland zertreten, die Macht und das Recht geben, jetzt über ihr Los zu bestimmen, Könige zu wählen und Boten in den Reichstag zu senden? Wofür ihnen solche Belohnung? Welcher Wahnsinn ist diesem Lipker in den Kopf gestiegen, und welcher böse Geist hat dich alten Krieger erfaßt, daß du dich so verführen und hintergehen lässest, solche Unredlichkeit und solche Unmöglichkeit zu glauben?«
Bogusch senkte die Augen und antwortete mit unsicherer Stimme:
»Gnädiger Herr, das wußte ich vorher, daß die Stände widersprechen werden, aber Asya sagt doch, daß die Tataren, wenn sie erst mit Euerer Erlaubnis, gnädiger Herr, Fuß gefaßt haben, sich nicht vertreiben lassen.«
»Mensch, — er hat also schon gedroht, schon das Schwert gegen die Republik erhoben, und du hast das nicht erkannt?«