»Du lieber Gott,« rief Evchen, »es gibt keine zweite in der Welt! Ich habe es eben erst gesagt.«
Der kleine Ritter war außerordentlich erfreut, sein Gesicht strahlte, und er entgegnete:
»Habt Ihr das wirklich gesagt, Fräulein, wie?«
»Wahrhaftig, sie hat's gesagt!« riefen Vater und Sohn zugleich.
»Nun, so legt nur Eure schmucksten Kleider an, denn ich habe ganz im geheimen eine Musikkapelle aus Kamieniez kommen lassen. Die Instrumente sind im Stroh verborgen, und ich habe ihr gesagt, die Zigeuner seien gekommen, um die Pferde zu beschlagen. Heute abend gibt es lustigen Tanz, sie hat das gern, obwohl sie tut wie eine gesetzte Matrone.«
Bei diesen Worten rieb sich Michael vor Freude die Hände und lächelte selbstzufrieden.
Der Schnee fiel so dicht, daß er den Graben der Grenzwacht füllte und sich auf dem Pfahlwerk wie ein Wall ansetzte. Draußen herrschte dunkle Nacht und Sturm, und drinnen im Hauptzimmer des Blockhauses von Chreptiow war heller Lichtschein. Zwei Geiger, der dritte war ein Baßgeiger, zwei Pfeifer und ein Waldhornbläser spielten auf. Die Geiger fuchtelten wie wahnsinnig mit dem Bogen, die Pfeifer und Waldhornbläser bliesen ihre Backen auf, daß ihnen die Augen übergingen. Die ältesten Offiziere und Genossen saßen auf den Bänken an den Wänden herum, einer neben dem anderen, wie weiße Tauben, die auf den Firsten der Dächer hocken, und sahen bei Met und Wein den Tanzenden zu. Das erste Paar bildete Muschalski, der trotz seiner vorgerückten Jahre ein ebenso ausgezeichneter Tänzer wie Bogenschütze war, und Bärbchen. Sie trug ein Kleid aus Silberlahn mit Hermelinbesatz und sah aus wie eine frische Rose in frischem Schnee. Jung und alt bewunderte ihre Schönheit, und unwillkürlich kamen Rufe des Erstaunens aus vieler Munde, denn obgleich Evchen und Sophie Boska ein wenig jünger waren als sie, und deren Schönheit über das gewöhnliche Maß hinausging, war sie doch unter ihnen die schönste. In ihren Augen leuchtete Freude und Lust; wenn sie an dem kleinen Ritter vorüberwirbelte, dankte sie ihm mit einem Lächeln für die bereitete Festlichkeit, und durch die geöffneten Lippen glitzerten die weißen Zähnchen; wenn sie, von Kopf bis Fuß in Silberglanz gehüllt, vorüberhuschte wie eine Flamme oder ein Sternchen, blendete sie Augen und Herz mit dem Zauber eines Kindes, eines Weibes, einer Blume.
Die offenen Ärmel, den Flügeln eines großen Schmetterlinges ähnlich, flatterten ihr nach, und wenn sie die Schöße ihres Jäckchens mit den Händen hob, um vor ihrem Tänzer einen Knix zu machen, schien sie mit dem Boden zusammenzufließen wie eine überirdische Erscheinung, oder wie eine Gebirgsquelle, die in Sommernächten über die Felsen dahinhüpft.
Draußen standen die Leute und drückten ihre wilden, bärtigen Gesichter an die erleuchteten Scheiben, um in das Gemach hineinzublicken. Es schmeichelte ihnen sehr, daß die vergötterte Herrin alle übrigen an Schönheit überstrahlte, denn alle nahmen Bärbchens Partei, und sie begrüßten sie, nicht ohne kleine Anspielungen auf Eva und Sophie, mit lauten Rufen, so oft sie sich dem Fenster näherte.