Herr Michael wuchs förmlich vor Freude und nickte mit seinem Kopf den Takt zu Bärbchens Bewegungen. Sagloba stand mit der Kanne neben ihm, schlug mit den Füßen auf, goß den Inhalt auf den Boden, dann wandten sich die beiden Männer einander zu und sahen sich mit schweigendem Entzücken an.

Und Bärbchen flog im Gemache umher, immer heiterer, immer anmutiger. Das hieß eine Wüste, — bald Schlacht, bald Jagd, bald Festlichkeit und Tanz, Musik, Soldatenlärm — und ihr Gatte der erste unter all diesen Soldaten, der Gatte, der sie liebte, und den sie wieder liebte! Bärbchen fühlte, daß ihr alle gut waren, daß man sie bewunderte, verehrte, daß der kleine Ritter dadurch immer glücklicher ward, darum fühlte sie sich selbst so glücklich wie die Vögel, wenn sie beim Eintritt des Frühlings in der Mailuft sich wiegen und laut und freudig Zwiegespräche halten.

Das zweite Paar bildete Asya und Eva, in ein karmesinrotes Jäckchen gekleidet. Der junge Tatar sprach kein Wort mit ihr, so berauscht war er von der weißen Erscheinung, die in dem ersten Paare glänzte. Sie aber glaubte, daß ihn die Rührung so stumm mache, und bemühte sich erst durch leichteres, dann durch kräftigeres Drücken seiner Hand, ihm Mut einzuflößen. Asya beantwortete auch ihren Händedruck bisweilen so kräftig, daß sie nur mit Mühe einen Aufschrei des Schmerzes unterdrückte, aber er tat das unwillkürlich, denn er dachte an nichts als an Bärbchen, sah niemand außer Bärbchen, und wiederholte in seiner Seele den furchtbaren Schwur, daß sie die Seine werden müsse, und sollte ganz Reußenland darüber in Flammen aufgehen. Dann wieder, wenn ihm auf Augenblicke die Besinnung wiederkehrte, überkam ihn die Lust, Evchen an der Kehle zu fassen, sie zu würgen und sich an ihr zu rächen für den Händedruck und dafür, daß sie zwischen seiner Liebe und Bärbchen stand. Wenn er dann das ahnungslose Mädchen mit seinen Falkenblicken durchbohrte, schlug ihr das Herz mächtiger, denn sie wähnte, daß er sie aus Liebe so mit den Augen verschlinge.

In dritten Paare tanzte der junge Nowowiejski mit Sophie Boska. Sie sah einem Vergißmeinnicht ähnlich und schritt mit gesenktem Blick neben ihm her. Er aber sprang und sah aus wie ein ausgelassenes Füllen. Seine eisenbeschlagenen Hacken sprühten Funken, sein Schopf flog hin und her, sein Gesicht überzog es glühend, seine Nasenflügel bebten, und er warf Sophiechen herum, wie ein Sturmwind das Blatt, und flog mit ihr durch den Raum. In seinem Innern jubelte es maßlos auf, und da er an den äußersten Grenzen der wilden Felder monatelang keine Frau gesehen hatte, gewann Sophiechen im Handumdrehen sein Herz. Immer wieder schaute er auf ihre gesenkten Wimpern, auf ihre rosigen Wangen und wieherte förmlich auf bei dem süßen Anblick; seine Hacken warfen immer neue Funken, immer feuriger zog er sie an seine breite Brust; in überschäumender Lust brach er in ein mächtiges Lachen aus und entbrannte immer heftiger in Liebe.

Sophie fühlte Furcht im Herzen; aber es war keine bedrückende Angst, denn sie fand Gefallen an dem Strom, der sie mit sich fortriß und davontrug. Ein wahrer Drache! Sie hatte verschiedene Ritter in Jaworowo gesehen, aber einen so feurigen hatte sie bisher nicht kennen gelernt, und keiner tanzte wie er, keiner hatte sie so an sich gezogen. Was sollte sie mit ihm beginnen, da sie ihm nicht widerstehen konnte?

Im folgenden Paare tanzte mit einem artigen Genossen Fräulein Kaminska. Dann kam Frau Kieremowitsch und Neresowitsch, die man auch eingeladen hatte, obwohl sie Bürgersfrauen waren, denn beide Frauen hatten höfische Manieren und waren sehr wohlhabend. Der ernste Nawiragy und die beiden Anardraten schauten mit wachsendem Erstaunen den polnischen Tänzen zu. Die Alten machten beim Met ein lautes Gesumme und Gesurre, wie es die Heupferdchen auf dem Stoppelfeld zu machen pflegen; die Kapelle aber übertönte allen Lärm, und die Lust in den Herzen wuchs immer mehr.

Bärbchen verließ ihren Tänzer, lief tiefatmend zu ihrem Gatten und faltete vor ihm die Hände.

»Michael,« sagte sie, »den Soldaten ist draußen so kalt, laß ihnen doch ein Tönnchen geben!«

Er war über die Maßen heiter, küßte ihre Fäustchen und rief:

»Mein Blut wollte ich hingeben, um dir eine Freude zu machen!«