15. Kapitel.
Der junge Nowowiejski reiste sofort, nachdem sie sich verlobt hatten, nach Raschkow, um ein Quartier für Frau und Fräulein Boska zu finden und herzurichten; zwei Wochen nach seiner Reise zog eine Karawane der Gäste von Chreptiow. Sie wurde gebildet von Nawiragh, den beiden Anardraten, Kieremowitsch, Neresowitsch, Seferowitsch, von Frau und Fräulein Boska, den beiden Herren Piotrowitsch und dem alten Nowowiejski, die Armenier aus Kamieniez nicht mitgerechnet, und die zahlreiche Dienerschaft und bewaffneten Knechte, welche die Wagen, die Zug- und die Saumtiere hüten sollten. Die Piotrowitschs und die geistlichen Delegaten des Patriarchen von Usmiadsin sollten in Raschkow nur Rast halten, dort Erkundigungen über den Weg einziehen und weiterreisen nach der Krim. Der Rest der Gesellschaft beschloß, sich auf eine Zeit in Raschkow niederzulassen, und wenigstens bis zum ersten Tauwetter auf die Rückkehr der Gefangenen zu warten: auf Boski, den jüngeren Seferowitsch und die beiden Kaufleute, die von ihren besorgten Gattinnen schon lange mit Sehnsucht erwartet wurden.
Es war ein mühsamer Weg, denn er führte durch Wüsteneien und Schluchten. Zum Glück hatten die reichlichen und trockenen Schneefälle eine ausgezeichnete Schlittenbahn geschaffen; die Anwesenheit des Heerkommandos in Mohylow, Jampol und Raschkow gaben Sicherheit. Asba-Bey war vernichtet, die Räuber gehenkt oder zerstreut, und die Tataren pflegten zur Winterszeit wegen des Mangels an Gras ihre Streifzüge nicht aufzunehmen.
Schließlich hatte Nowowiejski versprochen, wenn er nur die Erlaubnis von Ruschtschyz erhalte, mit etlichen zehn Pferden der Karawane entgegenzukommen. Und so reiste man denn sorglos und guter Dinge. Sophie wäre mit Herrn Adam bis ans Ende der Welt gegangen. Frau Boska und die beiden armenischen Frauen hofften in kurzer Zeit ihre Männer wiederzugewinnen. Raschkow lag zwar in entsetzlicher Einöde an der äußersten Grenze der christlichen Welt, aber man reiste ja doch nicht fürs ganze Leben hin, nicht einmal zu einem langen Aufenthalt. Zum Frühling sollte es Krieg geben; man sprach an den Grenzen allgemein davon, und darum mußte man, wenn die Geliebten wiedergewonnen, mit dem ersten warmen Winde heimkehren, um das Haupt vor tödlicher Gefahr zu schützen.
Evchen war in Chreptiow geblieben, Frau Barbara hatte sie zurückgehalten. Der Vater drängte auch nicht sehr, sie mit sich zu nehmen, da er sie im Hause so braver Leute wußte.
»Ich werde sie schon sicher hinschicken, oder ich bringe sie gar selbst,« sagte Bärbchen, »ja, eher bringe ich sie selbst, denn einmal im Leben möchte ich diese furchtbare Grenze sehen, von der ich soviel von Kindheit auf gehört habe. Im Frühling, wenn die Wege wieder von den Tatarenscharen wimmeln, wird es mein Mann nicht gestatten, aber jetzt, wenn Evchen hierbleibt, werde ich einen guten Vorwand haben. In etwa zwei Wochen werde ich anfangen, in ihn zu dringen, und in dreien habe ich sicher die Erlaubnis.«
»Euer Gatte, hoffe ich, wird Euch auch im Winter nicht ohne eine tüchtige Eskorte reisen lassen.«