»Wird er es möglich machen, so wird er selbst mit mir reisen, wo nicht, wird uns Asya mit zweihundert Pferden oder mehr begleiten, denn ich habe schon gehört, daß er nach Raschkow abkommandiert sein soll.«
Damit schloß die Unterredung, und Evchen blieb. Bärbchen hatte aber außer den wahren Gründen, die sie Herrn Nowowiejski auseinandersetzte, auch noch eine andere Absicht: sie wollte Asya die Annäherung an Evchen erleichtern, denn der junge Tatar begann sie zu beunruhigen. So oft er mit ihr zusammen war, antwortete er zwar auf ihre Fragen, daß er Evchen liebe, daß die alte Neigung noch nicht erloschen sei; so oft er sich aber mit Evchen allein befand — schwieg er. Inzwischen hatte sich das Mädchen in der Einsamkeit von Chreptiow sinnlos verliebt; seine wilde, aber prächtige Erscheinung, seine Kindheit, die er unter der rauhen Hand Nowowiejskis verbracht, seine fürstliche Abstammung, das lange Geheimnis, das darüber gewaltet hatte, und endlich sein Kriegsruhm hatten sie vollends bezaubert. Sie harrte nur des Augenblicks, um ihm das Herz, das lichterloh brannte, zu öffnen, um ihm zu sagen: »Asya, ich habe dich seit meinen Kindertagen geliebt,« in seine Arme zu fallen, und ihm Liebe zu schwören bis in den Tod. Er aber biß die Zähne zusammen und schwieg.
Evchen glaubte anfangs, die Anwesenheit des Vaters und des Bruders halte Asya vor dem Geständnis zurück; später aber erfaßte sie Unruhe, denn wenn auch der Vater und der Bruder unzweifelhaft Hindernisse bereitet haben würden, solange Asya das Bürgerrecht nicht besaß, so konnte er doch vor ihr sein Herz öffnen, ja mußte er es um so schneller, um so aufrichtiger öffnen, je mehr Hindernisse auf ihrem Wege lagen. Und er schwieg.
Endlich stahlen sich Zweifel in die Seele des Mädchens, und sie klagte Bärbchen ihr Geschick. Diese beruhigte sie aber und sagte:
»Ich leugne nicht, daß er ein seltsamer, furchtbar verschlossener Mensch ist, aber ich bin gewiß, daß er dich liebt, denn erstens hat er es mir oftmals gesagt, und dann sieht er dich mit anderen Blicken an als die anderen.«
Evchen aber schüttelte den Kopf und sagte traurig:
»Anders wohl, aber ich weiß nicht, ob Liebe oder Haß in diesem Blicke ist.«
»Gutes Evchen, sprich doch nicht so! Weshalb sollte er dich hassen?«
»Weshalb mich lieben?«