Bärbchen streichelte ihr mit ihrer kleinen Hand die Wange.

»Und weshalb hat Michael mich geliebt? Und weshalb hat dein Bruder Sophie liebgewonnen, da er sie kaum gesehen hatte?«

»Adam war immer schnell entschlossen.«

»Asya aber ist stolz und fürchtet eine Zurückweisung, besonders von deinem Vater, denn dein Bruder, der selbst liebt, würde eher die Qual der Liebe begreifen. Das ist es; sei nicht töricht, Evchen, fürchte dich nicht, ich will Asya tüchtig ausschelten, und du sollst sehen, er wird entschlossen sein.«

Noch an demselben Tage sprach Bärbchen mit Asya, und gleich nach dieser Unterredung lief sie eiligen Schrittes zu Evchen.

»Schon geschehen!« rief sie an der Schwelle.

»Was?« fragte Evchen, purpurrot.

»Ich habe so zu ihm gesagt: Was denkt Ihr Euch, wollt Ihr undankbar gegen mich sein, wie? Ich habe Evchen absichtlich hier behalten, damit Ihr die Gelegenheit benutzt; wenn Ihr sie aber nicht benutzt, so wißt, daß ich sie in zwei, höchstens drei Wochen nach Raschkow schicke und vielleicht selbst mit ihr reise, und Euch bleibt dann der Korb. — Sein Gesicht veränderte sich, als er von dieser Reise nach Raschkow hörte, und er sank mir zu Füßen. Ich frage ihn also, was er zu tun gedenke. — »Unterwegs,« sagt er, »will ich bekennen, was ich im Busen trage, unterwegs,« sagt er, »wird die beste Gelegenheit sein, unterwegs wird geschehen, was geschehen soll, was Bestimmung ist. Alles,« sagt er, »will ich bekennen, alles aufdecken; ich kann nicht länger leben in dieser Qual.« — Und seine Lippen zitterten förmlich, denn er hatte vorher Kränkung gehabt, er hatte heute früh ungünstige Briefe aus Kamieniez empfangen. Er sagte mir, er müsse ohnehin nach Raschkow, es sei bei meinem Manne schon lange ein Befehl des Hetmans zu dieser Reise, nur sei in dem Befehl die Zeit nicht angegeben, weil diese von den Verhandlungen abhänge, die er dort mit den Hauptleuten der Lipker führe. — »Und jetzt gerade,« sagt er, »kommt die Zeit heran, und ich muß ihnen entgegengehen bis über Raschkow hinaus, und so kann ich gleichzeitig Ew. Liebden und Fräulein Eva begleiten.« — Ich sagte ihm darauf, es sei noch unbestimmt, ob ich auch reise, denn das hänge von Michaels Erlaubnis ab. Bei diesen Worten erschrak er sehr; — ach, bist du töricht, Evchen! Du sagst, er liebe dich nicht, und er ist mir zu Füßen gefallen und hörte nicht auf zu bitten, daß ich mitreisen solle. Ich sage dir, er lallte förmlich, ich hätte aus Mitleid weinen mögen. Und weißt du, weshalb er das tat? Er hat es mir gleich gesagt: »Ich will bekennen,« sagt er, »was ich im Herzen trage, aber ohne Ew. Liebden Eintreten werde ich bei dem Herrn Nowowiejski nichts ausrichten; ich werde nur Zorn und Haß in ihnen und in mir wecken. In Ew. Liebden Händen liegt mein Schicksal, meine Qual, meine Erlösung, denn wenn Ew. Liebden nicht mitreisen, so wollte ich lieber, die Erde verschlänge mich, oder ein Blitz erschlüge mich!« — So liebt er dich, es ist kaum auszudenken! Und wenn du ihn gesehen hättest, wie er da aussah, du wärest erschrocken.«

»Nein, ich fürchte ihn nicht,« antwortete Evchen. Und sie küßte Bärbchens Hände.

»Fahrt mit uns!« wiederholte sie begeistert. »Ihr allein könnt uns retten, Ihr allein werdet Euch nicht fürchten, es dem Vater zu sagen, Ihr allein werdet etwas durchsetzen können. Fahrt mit uns; ich will Herrn Wolodyjowski zu Fußen fallen, damit er Euch die Erlaubnis gebe. Ohne Euch werden der Vater und Asya mit Messern aufeinander losstürzen, — fahrt mit uns, fahrt mit uns!«