Indessen hatte das »Kätzchen« das neugierige blonde Köpfchen zwischen sie geschoben.

»Was sagt ihr?«

»Ei nichts,« gab Sagloba zurück, »wir sagen nur, zum Frühling werden gewiß die Störche kommen.«

Bärbchen rieb ihr Gesicht an dem Gesicht ihres Mannes wie eine echte Katze.

»Michael, ich werde dort nicht lange bleiben,« sagte sie.

Nach dieser Unterredung begannen von neuem Beratungen über die Reise, die tagelang währten. Michael sorgte selbst für alles; in seiner Gegenwart wurde der Schlitten hergerichtet und mit Fellen ausgepolstert, die man im Herbst den Füchsen abgenommen hatte; Sagloba brachte seine eigenen Decken zum Wärmen der Füße. Es sollten Wagen mit Betten und Lebensmitteln mitgehen, auch Bärbchens Apfelschimmel sollte mit, damit sie an gefährlichen, schluchtreichen Orten aus dem Schlitten auf das Pferd steigen konnte, denn Michael fürchtete besonders den Abstieg auf Mohylow zu, der wirklich lebensgefährlich war. Obgleich nicht die geringste Wahrscheinlichkeit für einen Überfall vorhanden war, befahl der kleine Ritter Asya, jegliche Vorsicht zu gebrauchen, immer eine Anzahl von Menschen auf eine gewisse Entfernung vorauszuschicken, und Nachtruhe unterwegs nur dort zu halten, wo Kommandos ständen, um die Dämmerung aufzubrechen, vor Nacht Rast zu halten, und unterwegs nicht unnütz zu säumen. Der kleine Ritter ging so weit in seiner persönlichen Sorge um alles, daß er mit eigener Hand die Terzerole lud, die in Bärbchens Satteldecke im Holfter steckten.

Endlich kam der Augenblick der Abreise. Es war noch finster, als zweihundert Pferde der Lipker auf dem Schloßhof in Reisebereitschaft standen. In dem Hauptgemach des Kommandantenhauses herrschte schon Leben, in den Kaminen brannten in hellen Flammen die harzigen Scheite, alle Offiziere, der kleine Ritter, Sagloba, Muschalski, Nienaschyniez, Hromyka und Motowidlo, mit ihnen die Genossen von den oberen Fahnen waren zum Abschied versammelt. Bärbchen und Evchen, noch warm und rosig vom Schlaf, aßen vor der Abreise ihre Weinsuppe; Michael saß neben seiner Gattin und hielt sie umfaßt, Sagloba goß ihnen die Suppe ein und wiederholte jedesmal: »Noch einen Teller, denn es ist kalt!« Beide waren wie Männer gekleidet, denn so pflegten die Frauen in den Grenzländern zu reisen. Bärbchen trug einen kleinen Säbel, ein Pelzchen aus Wildkatzenfell mit Wieselbesatz, einen Hermelinkalpak, sehr breite Höschen, die wie ein Unterrock aussahen, und weiche, gefütterte Kniestiefelchen. Über die Kleidung sollten noch warme Regenmäntel und Pelze mit Kapuzen zum Schutze des Gesichts kommen. Für jetzt aber war es noch unverhüllt, und die Soldaten bewunderten, wie immer, seine Schönheit. Die einen betrachteten begierig Evchen, deren feuchte Lippen sich wie zum Kusse wölbten, andere wiederum wußten nicht, wen sie zuerst ansehen sollten, so reizvoll erschienen ihnen beide, und sie flüsterten einander ins Ohr:

»Ein schweres Leben hier in dieser Einöde ... glücklich ist der Kommandant, glücklich Asya ... ach!«

Das Feuer in den Kaminen knisterte lustig, und die Hähne begannen zu krähen. Allmählich wurde es Tag, ein ziemlich kalter, heller Tag; die Dächer der Schuppen und der Soldatenquartiere, die mit dichtem Schnee bedeckt waren, erglänzten hellrot. Vom Schloßhof her tönte das Wiehern der Pferde und der Tritt der Soldaten, die von den Schuppen und Schenken herangekommen waren, um von Bärbchen und den Lipkern Abschied zu nehmen.

Endlich sagte Wolodyjowski: »Es ist Zeit!«