Einen Kampf gab es kaum; unzählige Messer stießen unerwartet in jede polnische Brust; dann schnitt man den Unglücklichen die Köpfe ab und legte sie zu Füßen von Asyas Pferde nieder.
Der Sohn des Tuhaj-Bey gestattete dem größten Teil der Lipker, hinabzugehen und sich der blutigen Arbeit der Brüder anzuschließen. Er selbst stand da und schaute zu.
Der Rauch verschleierte Krytschynskis und Adurowitschs Werk. Der Dunst der Brände drang bis zum Blockhaus, die Stadt loderte auf wie ein riesiger Scheiterhaufen, und der Rauch verdeckte ihren Anblick. Von Zeit zu Zeit nur drang durch den Rauch der Schuß eines Gewehrs, wie ein Blitz in der Wolke, von Zeit zu Zeit blitzte es auf: ein fliehender Mann oder eine Schar Lipker in der Verfolgung begriffen.
Asya stand unbeweglich da und schaute zu; sein Herz war von Freude erfüllt. Ein grausames Lächeln verzerrte seine Lippen, und die weißen Zähne starrten daraus hervor, ein Lächeln, das um so furchtbarer war, als es sich mit dem Schmerz der trockenen Wunde vermischte. Und neben der Freude wogte Stolz in dem Herzen Asyas. Hatte er doch jene Bürde der Verstellung von sich geworfen, hatte er doch zum ersten Male dem Haß, den er jahrelang verborgen trug, freien Lauf gelassen. Jetzt fühlte er sich wieder als der wahre Asya, als der Sohn Tuhaj-Beys. Aber gleichzeitig erhob sich in ihm ein wilder Schmerz, daß Bärbchen diesen Brand, diese Metzelei nicht sehe, daß sie ihn nicht sehen könne in seinem neuen Berufe. Er liebte sie, und doch tobte in seinem Herzen die wilde Begier der Rache an ihr.
Stände sie hier neben meinem Pferde — dachte er bei sich — ich würde sie bei den Haaren festhalten, und meine Füße müßten sie berühren, und dann wurde ich sie nehmen und würde sie küssen und sie wäre mein, meine — Sklavin.
Vor der Verzweiflung schützte ihn nur die Hoffnung, daß die Abteilung, die zur Verfolgung ausgeschickt, oder die, die unterwegs zurückgeblieben waren, sie wiederbringen würden. Diese Hoffnung ergriff er wie ein Ertrinkender das Brett, und sie gab ihm Kraft. Er vermochte den Gedanken endgültiger Verzichtleistung nicht auszudenken, sondern gedachte lebhaft des Augenblicks, da er sie wiedergewinnen und sich zu eigen machen werde.
Er stand am Tor, bis die hingeschlachtete Stadt ruhig war; das war schnell geschehen, denn Adurowitschs und Krytschynskis Scharen zählten fast so viele Köpfe, wie das ganze Städtchen — und nur das Feuer überdauerte das Stöhnen der Menschen und wütete noch bis zum Abend. Asya war vom Pferde herabgeglitten und ging langsamen Schrittes in das geräumige Zimmer. In der Mitte hatte man Widderfelle für ihn ausgebreitet; er ließ sich nieder und erwartete die Ankunft der beiden Heerführer.
Sie kamen bald, mit ihnen die Hauptleute. Aller Gesichter waren von Freude erfüllt, denn die Beute überstieg ihre Erwartungen. Das Städtchen hatte sich seit der Zeit des Bauerneinfalls sehr gehoben und war wohlhabend. Man hatte auch etwa hundert junge Weiber und eine Schar Kinder von zehn Jahren an erbeutet, die man günstig in den Bazaren des Orients verkaufen konnte. Die Männer, alte Weiber und Kinder, die nicht fähig waren, weite Wege zu machen, hatte man hingemordet. Die Hände der Lipker dampften von Menschenblut, und an ihren Widderfellen haftete der Brandgeruch. Alle setzten sich um Asya herum, und Krytschynski begann:
»Nur ein Häufchen Asche bleibt nach uns zurück. Ehe die Kommandos zurückkehren, könnten wir noch nach Jampol ausrücken, dort ist an Gütern ebensoviel vorhanden wie in Raschkow.«
»Nein,« antwortete der Sohn des Tuhaj-Bey, »in Jampol sind meine Leute, die die Stadt in Brand setzen werden. Wir müssen jetzt in die Lande des Khans und des Sultans.«