Unwillkürlich griff er mit der Hand ein über das andere Mal an seinen Schnurrbart und richtete ihn in die Höhe, so daß die Enden bis an die Augen heranreichten. Dann begann er sich in der Gegend mit großer Neugier umzusehen, als ob er sie zum ersten Male sähe.
Plötzlich schlug sich Sagloba mit den Händen auf die Knie und rief mir nichts, dir nichts, aus:
»Hoc! Ich glaube, wenn Ketling dich erblickt, so wird er wieder gesund, hoc, hoc!«
Dabei umarmte er Michael und drückte ihn mit voller Kraft an sich. Wolodyjowski wollte ihm nichts schuldig bleiben, und so umarmten sie sich aufs herzlichste. Eine Zeitlang fuhren sie in vollkommenem Schweigen dahin. Schon zeigten sich die Häuschen der Vorstadt an beiden Seiten des Weges. Vor diesen Häuschen herrschte lebhaftes Treiben, nach der einen und nach der anderen Seite zogen die Bürger, die Dienerschaft in verschiedenen Farben, Soldaten und Adel oft in schmucker Tracht.
»Zum Wahlreichstag ist eine große Zahl des Adels zusammengekommen,« sagte Sagloba, »denn wenn auch so mancher nicht zum Reichsboten gewählt ist, so will er doch dabei sein, hören und sehen. Die Häuser, die Gasthöfe, alles ist so besetzt, daß man kaum ein Zimmerchen finden kann, und wie viele Adelsfräulein sich in den Straßen tummeln, sag' ich dir, das kannst du an den Haaren deines Bartes nicht herzählen! Und hübsch sind die Bestien, daß den Menschen manchmal die Lust ankommt, mit den Händen an die Seiten zu schlagen, wie der Hahn mit den Flügeln, und loszukrähen. Schau nur, schau nur die Schwarzäugige dort, welcher der Heiduck den grünen Pelzmantel nachträgt; ist sie nicht voll Grazie, was?«
Hier versetzte Sagloba Wolodyjowski einen Stoß; dieser blickte auf, drehte seinen Schnurrbart und riß die Augen auf. Aber sogleich ergriff ihn die Scham; er senkte den Kopf und sagte nach kurzem Schweigen:
»Memento mori!«
Und wieder umarmte ihn Sagloba.
»Per amicitiam nostram, so wahr du mich liebst, so wahr du mich schätzest: heirate! Es gibt so viel brave Mädchen — heirate!«