»O Gott, das sind die Kräne am Brunnen von Chreptiow — das ist Chreptiow, o Gott!«
Da springt sie auf, sie, die vor einem Augenblick zum Tode bereit war, rennt keuchend, bebend, tränenüberströmt, mit wogender Brust durch den Wald. Sie sinkt hin und erhebt sich wieder und wiederholt immer für sich hin:
»Dort tränkt man die Pferde ... das ist Chreptiow ... das sind unsere Brunnen. Nur bis ans Tor — o Gott ... Chreptiow, Chreptiow!«
Der Wald lichtet sich, das schneeweiße Feld tut sich auf, und der Hügel, von dem viele leuchtende Augen auf das eilende Bärbchen herunterschauen. Aber das sind nicht Wolfsaugen, ach, es sind die Fenster von Chreptiow, die so lieblich, so hell in ihrem erlösenden Lichte schimmern, das ist das Blockhaus dort auf dem Hügel, mit seiner Ostseite gegen den Wald gekehrt.
Es war noch eine gute Strecke bis dahin; Bärbchen wußte gar nicht, wie sie dieselbe zurückgelegt hatte. Die Soldaten, die am Tore nach der Seite des Dorfes standen, erkannten sie im Finstern nicht und ließen sie ein, weil sie glaubten, es sei ein Knabe, der ausgeschickt war und zum Kommandanten zurückkehre. Sie raffte die letzten Kräfte zusammen, stürzte hinein, rannte über den Maidan[M] an dem Brunnen vorüber, an welchem die eben von einem Ausritt zurückgekehrten Dragoner die Pferde tränkten — und hielt in der Tür des Hauses.
Der kleine Ritter und Sagloba saßen gerade rittlings auf der Bank vor dem Feuer, aßen ihre Suppe und sprachen von Bärbchen. Sie sei dort in Raschkow, meinten sie, und lasse es sich gut gehen. Sie waren beide mißgestimmt, denn sie sehnten sich sehr nach ihr und stritten jeden Tag um den Zeitpunkt ihrer Rückkehr.
»Behüte uns Gott vor plötzlichem Tauwetter, vor Regen und Schneeschmelzen, denn sonst kehrt sie, weiß Gott wann, zurück,« sagte Sagloba grämlich.
»Der Winter hält noch vor,« antwortete der kleine Ritter, »und in acht oder zehn Tagen werde ich schon einen Blick nach Mohylow hineintun.«
»Ich wollte, sie wäre nicht gereist. Was bin ich hier in Chreptiow ohne sie?«