Bei Gott, wie konnte ich diese lieben, damals, da ich beide nebeneinander sah! Wo hatte ich meine Augen?

Dagegen erschien Bärbchen Herrn Ketling wunderhübsch. Sie war es auch mit ihrem hellen, wirren Schopf, der bis über die Brauen fiel, mit ihrer Gesichtsfarbe, die durch ihre Krankheit von ihrer Röte verloren hatte und an die Farbe der weißen Rosen erinnerte. In diesem Augenblick war ihr Gesichtchen vor Freude ein wenig gerötet, und ihre zarten Nasenflügel bewegten sich lebhaft. Sie sah so jung aus, wie ein halb erwachsenes Mädchen, und auf den ersten Blick hätte man glauben können, sie sei um zehn Jahre jünger als Ketlings Gemahlin.

Aber ihre Schönheit wirkte derart auf den tief empfindenden Ketling, daß er nur noch inniger für seine Frau fühlte, weil er sich ihr gegenüber schuldig wußte.

Die beiden Frauen hatten sich schon alles erzählt, was sie sich in so kurzer Zeit erzählen konnten; darum ließ sich die ganze Gesellschaft jetzt an Bärbchens Bette nieder und begann von den alten Zeiten zu plaudern. Aber die Unterhaltung wollte nicht recht vorwärts gehen, denn es hatte in jenen Jahren so manche heikle Dinge gegeben: Michaels Vertraulichkeit mit Christine, seine Gleichgültigkeit gegen das jetzt so geliebte Bärbchen, mancherlei Versprechungen und mancherlei Verzweiflung. Der Aufenthalt in Ketlings Hause hatte für alle seinen Zauber gehabt und dankbare Erinnerungen in aller Herzen zurückgelassen; aber über ihn zu sprechen, ging nicht gut an.

Ketling begann auch gleich andere Saiten aufzuziehen.

»Ich habe noch nicht erzählt, daß wir unterwegs die Skrzetuskis besucht haben, die uns zwei Wochen hielten und uns eine Gastfreundschaft erwiesen, wie sie im Himmel nicht schöner sein kann.«

»Du lieber Gott, wie geht's den Skrzetuskis?« rief Sagloba. »Habt ihr auch ihn zu Hause angetroffen?«

»Ja, er war zu Hause. Er war auf Urlaub vom Hetman gekommen mit seinen drei ältesten Söhnen, die in der Linie dienen.«

»Skrzetuski habe ich seit unserer Hochzeit nicht gesehen,« sagte der kleine Ritter; »er war mit seinen Söhnen hier in den »Wilden Feldern«, aber wir trafen uns nicht.«

»Es ist ihnen allen dort furchtbar bange nach Euch,« sagte Ketling, zu Herrn Sagloba gewendet.