Nachdem sie sich genug erzählt hatten, begann der kleine Ritter Ketling auszufragen, wie es ihm ergangen sei, und dieser gab ihm einen ausführlichen Bericht. Nach der Hochzeit hatten sie an der kurländischen Grenze gewohnt; sie fühlten sich so wohl beieinander, »wie es im Himmel nicht schöner sein könne«. Als Ketling Christine heimführte, wußte er, daß er »ein himmlisches Wesen« nehme, und diese Meinung hatte er auch jetzt noch.

Sagloba und Michael erkannten an jedem Ausdruck den alten Ketling wieder, der sich immer höfisch auszudrücken pflegte, — und wiederholt drückten sie ihn an sich. Als sie ihre alte Freundschaft zur Genüge durch Umarmungen gesättigt hatten, fragte der alte Edelmann:

»Ist diesem himmlischen Wesen nicht ein irdischer Kasus zugestoßen, der mit den Füßen strampelt und mit den Fingerchen im Munde nach Zähnen sucht?«

»Gott hat uns einen Sohn geschenkt,« antwortete Ketling, »und jetzt ...«

»Ich hab's bemerkt,« fiel Sagloba ein; »hier bei uns ist alles noch beim alten.«

Bei diesen Worten heftete er sein gesundes Auge auf den kleinen Ritter und verzog verlegen den Mund.

Da trat Christine ein und sagte in der Tür:

»Bärbchen bittet die Herren.«

Nun gingen alle in den Alkoven, und die Begrüßung begann von neuem. Ketling küßte Bärbchens Hände, Michael die Christinens, und sie schauten alle einander neugierig an, wie Leute zu tun pflegen, die sich lange nicht gesehen haben.

Ketling hatte sich fast gar nicht verändert, nur sein Haar war kurz geschoren, und das ließ ihn jünger erscheinen. Christine dagegen war, wenigstens jetzt, sehr verändert. Sie sah nicht so schlank und anmutig aus wie ehedem, und ihr Gesicht war blasser, wodurch der schwache Flaum über der Oberlippe dunkler erschien. Nur die schönen Augen mit den langen Wimpern waren ihr geblieben und die frühere Sanftmut in ihrem Gesichtsausdruck. Aber die einst so wunderbaren Gesichtszüge hatten ihre Feinheit eingebüßt. Das mochte zwar nur vorübergehend sein, aber doch verglich Michael sie mit Bärbchen und sagte unwillkürlich zu sich: