»Und wenn sie plötzlich die Händchen vor die Augen hält?«

»Ja, das wird sie tun,« sagte Sagloba mit sichtlicher Angst, und beide waren sehr bekümmert, denn in Wirklichkeit hatte Bärbchen sie ganz und gar in ihrer Hand. Sie hatten sie während der Krankheit aufs äußerste verzärtelt und liebten sie so, daß die Notwendigkeit, gegen ihren Wunsch und gegen ihr Herz zu verfahren sie mit Kummer erfüllte. Daß Bärbchen keinen Widerstand leisten und demütig sich ihrem Ausspruch fügen werde, wußte der eine so gut wie der andere; aber, von Michael ganz zu schweigen, selbst Sagloba hätte es vorgezogen, ganz allein ein ganzes Regiment Janitscharen zu überfallen, als Bärbchen zu widerstehen, wenn sie zu weinen drohte.

Noch an demselben Tage kam ihnen Hilfe, und wie sie hofften, sichere Hilfe in der Person unerwarteter, überaus lieber Gäste. Gegen Abend kamen ohne jede weitere Anmeldung Ketling und seine Gemahlin an. Die Freude und das Erstaunen bei diesem Wiedersehen war unbeschreiblich, und auch jene freuten sich sehr, da sie auf ihre ersten Fragen hörten, daß Bärbchen der Genesung entgegengehe. Christine eilte bald nach dem Alkoven, und gleich darauf drangen von dorther Freudenrufe, die den Rittern verkündeten, wie sehr Bärbchen durch den Besuch beglückt war.

Ketling und Herr Michael hielten sich lange umschlungen, immer wieder ließen sie voneinander, immer wieder schlossen sie sich in die Arme.

»Beim Himmel, Ketling,« sagte der kleine Ritter, »über den Marschallstab würde ich mich weniger freuen als über dich; aber was hast du hier in dieser Gegend vor?«

»Der Herr Hetman hat mich zum Vorgesetzten der Artillerie von Kamieniez gemacht,« antwortete Ketling, »da bin ich mit meiner Frau nach Kamieniez gereist. Wir haben dort von den schweren Tagen gehört, die Euch betroffen, und so haben wir uns unverzüglich nach Chreptiow aufgemacht. Gott sei Dank, lieber Michael, daß alles ein glückliches Ende genommen hat! Wir sind mit großer Kümmernis und mit bangem Herzen hergekommen, denn wir wußten nicht, ob wir hier zur Freude oder zur Trauer...«

»Zur Freude!« warf Sagloba ein.

»Wie ist das nur gekommen?« fragte Ketling.

Der kleine Ritter und Herr Sagloba begannen nun um die Wette zu erzählen; Ketling horchte auf, hob Augen und Hände gen Himmel und bewunderte Bärbchens Mut.