»Ums Himmels willen, was höre ich!« rief Herr Michael, »Ihr wollt in der Feste bleiben, die sicherlich belagert werden wird von einem Feinde, der keine Gnade kennt? Ich würde nichts sagen, wenn wir wenigstens mit einem ehrlichen Feinde kämpften, aber hier haben wir es mit Barbaren zu tun. Wißt Ihr auch, was das heißt, eine eroberte Stadt, türkische oder tatarische Gefangenschaft? Ich traue meinen Ohren nicht!«
»Und doch kann es nicht anders sein,« antwortete Christine.
»Ketling,« rief der kleine Ritter in Verzweiflung, »so läßt du dich beherrschen? Mensch, denke doch an Gott!«
»Wir haben lange erwogen,« antwortete Ketling, »und es ist dabei geblieben.«
»Unser Sohn ist schon in Kamieniez unter dem Schutze einer Verwandten. Muß denn Kamieniez durchaus erobert werden?«
Hier hob Christine ihre sanften Augen zum Himmel.
»Gott ist stärker als der Türke und wird unsere Hoffnung nicht zu Schanden werden lassen; da ich meinem Gatten geschworen, ihn bis in den Tod nicht zu verlassen, so ist mein Platz an seiner Seite.«
Der kleine Ritter geriet in arge Verlegenheit, denn er hatte von Christine etwas ganz anderes erwartet. Bärbchen aber, die schon zu Anfang der Unterredung bemerkt hatte, worauf Michael abzielte, lächelte listig, heftete ihre scharfen Augen auf ihn und sagte:
»Michael, hörst du?«
»Bärbchen, wirst du wohl stille sein!« rief der kleine Ritter in höchster Verzweiflung und warf ängstliche Blicke auf Sagloba, als erwarte er von ihm Hilfe. Aber dieser Verräter erhob sich plötzlich und sagte: