»Ja, ein Adlerhorst. Aber wer weiß, ob sich in ihm ein Adler finden wird, wie Wischniowiezki war, oder aber eine Krähe. Kennst du den General von Podolien?«
»Ein mächtiger Mann und ein trefflicher Soldat, aber ein wenig nachlässig.«
»Ich weiß, ich kenne ihn; ich habe es ihm manchmal vorgeworfen. Herr Potozki wünschte vorzeiten, ich sollte mit ihm zu seiner Erziehung ins Ausland reisen, damit er unter meiner Leitung gute Sitten lerne; aber ich antwortete: »Ich reise nicht mit ihm, er ist zu nachlässig; er hat an keinem Stiefel zwei Ösen und würde an den Höfen in den meinigen erscheinen müssen — und Saffian ist teuer.« Dann, zurzeit Maria Ludwika, trug er sich französisch. Aber die Strümpfe fielen ihm immer herunter und ließen die nackten Knöchel sehen. — Er reichte dem Wischniowiezki nicht bis an die Hüfte.«
»Die Kaufleute in Kamieniez fürchten auch die Belagerung. Sie würden es gern mit den Türken halten, wenn sie nur ihren Kram nicht zu schließen brauchen.«
»Die Schufte!« sagte Sagloba.
Bekümmernis erfaßte beide um das künftige Geschick von Kamieniez. Persönlich waren sie in schwerer Sorge um Bärbchen, die für den Fall der Übergabe der Festung das Los aller Einwohner teilen mußte.
Plötzlich schlug sich Sagloba an die Stirn.
»Ums Himmels willen,« sagte er, »was grämen wir uns, wozu nach dem lausigen Kamieniez gehen und uns dort einschließen? Ist es nicht besser, bei dem Hetman zu bleiben und auf freiem Felde den Feind zu bekämpfen? Und dann kann doch Bärbchen nicht mit zur Fahne; sie muß fort und zwar nicht nach Kamieniez, sondern weit von hier, sei es auch zu den Skrzetuskis. Michael, Gott schaut in mein Herz und sieht, wie es von Begierde gegen die Heiden glüht — aber für dich und für Bärbchen tue ich es, ich geleite sie fort von hier.«
»Ich danke Euch,« antwortete der kleine Ritter, »gewiß, wenn ich nicht in Kamieniez sein soll, wird auch Bärbchen nicht drängen. Aber was tun, wenn der Befehl vom Hetman kommt?«