»Wieviel sind am Leben?« fragte eine Stimme aus der Mitte der Angreifer.

»Fünf, Herr Kommandant.«

»Die Körper untersuchen, damit sich keiner noch lebend verberge, und jedem zur Vorsicht mit dem Messer über die Gurgel fahren. Die Gefangenen zum Wachtfeuer!«

Der Befehl wurde sofort ausgeführt, die Leichen wurden am Boden mit ihren eigenen Dolchmessern festgenagelt. Den Gefangenen band man Stöcke an die Füße und legte sie um das Wachtfeuer herum; Luschnia schürte dasselbe, so daß die unter der Asche verborgenen Kohlen an die Oberfläche kamen. Die Gefangenen sahen auf diese Vorbereitungen und auf Luschnia mit stieren Blicken. Es waren unter ihnen drei Lipker aus Chreptiow, und diese kannten den Wachtmeister sehr gut. Auch er erkannte sie und sagte: Nun, Kameraden, nun sollt ihr pfeifen lernen; auf gebratenen Sohlen werdet ihr in das Jenseits einziehen. Aus alter Freundschaft will ich die Kohlen nicht sparen. Bei diesen Worten warf er trockene Reiser in das Feuer, das bald lichterloh brannte.

Aber Nowowiejski kam heran und begann sie auszuforschen. Die Aussage der Gefangenen bestätigte, was der junge Hauptmann zum Teil erraten hatte. Die Lipker und Tscheremissen waren in der Vorhut der Horde und aller Heere des Sultans. Ihr Führer war Asya, Tuhaj-Beys Sohn, dessen Kommando sie alle unterstanden. Sie marschierten wegen der großen Hitze, wie das ganze Heer, in der Nacht; am Tage führten sie ihre Herden auf die Weide. Sie übten keine Vorsicht, weil niemand vermutete, daß irgend ein Heer sie überfallen könne und in der Nähe des Dniestr, geschweige denn am Pruth in unmittelbarer Nähe, sich verborgen halte. Sie marschierten sorglos mit Herden und Kamelen, welche die Zelte der Oberen trugen. Das Zelt des Mirzen Asya sei leicht zu erkennen, an seiner Spitze sei ein Roßschweif befestigt, und die Häscher pflanzten während der Rastzeit Fahnen auf. Das Lipkische Regiment sei eine kleine Meile zurück, es zähle zwanzig Köpfe, aber ein Teil der Leute sei bei der Horde von Bialogrod zurückgeblieben, die wiederum auf eine Meile Entfernung von der Lipkischen Schar heranziehe.

Nowowiejski fragte sie noch nach dem Wege aus, welcher am leichtesten zu dem Regiment führe, ferner wie die Zelte aufgestellt seien, und endlich begann er nach dem zu forschen, was ihm am meisten nahe ging.

»Sind Frauen im Zelte?« fragte er.

Die Lipker zitterten für ihr Leben. Diejenigen von ihnen, die einst in Chreptiow gedient hatten, wußten sehr wohl, daß Nowowiejski der Bruder der einen dieser Frauen und der Verlobte der anderen sei. Sie begriffen also auch, welche Wut ihn erfassen mußte, wenn er die ganze Wahrheit erführe. Diese Wut konnte sich zunächst gegen sie richten: sie zögerten also erst, aber Luschnia sagte:

»Herr Kommandant, heizen wir diesen Hunden die Sohlen, so werden sie schon sprechen.«

»Rücke ihnen die Füße ins Feuer,« sagte Nowowiejski.