»Seht dorthin, Ew. Liebden, so werdet Ihr eine neue Merkwürdigkeit erblicken.«

Der Kämmerer wandte sich um und sah einen Offizier, der am Ufer den Bogen spannte. Es war Muschalski.

Der berühmte Bogenschütze hatte bisher unter den anderen gekämpft und im Handgemenge den Feind niedergemacht. Jetzt, als die Janitscharen sich schon so weit entfernt hatten, daß die Kugeln sie nicht mehr erreichten, nahm er den Bogen von seiner Seite, suchte sich ein Plätzchen, wo das Ufer ein wenig erhöht war, versuchte mit den Fingern die Sehne, und als sie vernehmlich erklang, legte er den geflügelten Pfeil auf und zielte.

Gerade in diesem Augenblick sahen Michael und Herr von Landskron ihm zu. Ein wunderbares Bild! Der Bogenschütze saß zu Pferde; er hatte die linke Hand vor sich hingestreckt und hielt mit ihr den Bogen wie mit Klammern fest; die rechte zog er immer stärker bis in die Gegend der Brustwarze heran, daß ihm die Adern an der Stirn hervortraten, und zielte ruhig. In der Ferne sah man, in eine Rauchwolke gehüllt, zahlreiche Prahme, die den Fluß hinanglitten, der infolge der Schneeschmelzen in den Bergen angeschwollen war, und an diesem Tage so durchsichtig schimmerte, daß die Prahme und die Janitscharen-Besatzung sich in ihm widerspiegelten. Die Büchsen am Ufer waren verstummt, aller Augen waren auf Muschalski geheftet oder schauten nach der Richtung, die der tödliche Pfeil nehmen sollte. Da plötzlich ertönte laut die Sehne, und der geflügelte Todesbote schwirrte durch die Luft. Kein Auge konnte seinem Fluge folgen, aber alle bemerkten deutlich, wie der am Ruder stehende kräftige Janitschar plötzlich die Arme auseinanderstreckte, sich auf dem Flecke umdrehte, und platschend ins Wasser fiel. Die helle Flut spritzte unter seiner Last auf.

Muschalski aber sagte: »Für dich, Dydiuk!« Dann griff er nach einem anderen Pfeil. »Dem Herrn Hetman zu Ehren!« wandte er sich an die Genossen. Sie hielten den Atem inne, und wieder schwirrte es durch die Luft, und ein zweiter Janitschar stürzte auf den Boden des Prahms.

Auf allen Prahmen begannen nun die Ruder sich lebhafter zu bewegen, mächtig warfen sie die helle Woge zurück. Der unvergleichliche Bogenschütze aber wandte sich jetzt lächelnd an den kleinen Ritter:

»Zu Ehren der würdigen Gattin Euer Gnaden!«

Zum dritten Male zog er die Sehne an, zum dritten Male schoß er den bitteren Pfeil ab, und zum dritten Male senkte dieser sich tief in einen menschlichen Körper. Ein Triumphgeschrei ertönte am Ufer, ein Wutgeheul von den Prahmen; dann zog sich Muschalski zurück und hinter ihm die anderen Sieger des Tages — und eilten in die Stadt. Zufrieden schauten sie auf die Ernte des heutigen Tages zurück. Von der Horde waren nur wenige gefallen, denn sie hatten sich kaum einmal gehalten, — schnell aufgescheucht hatten sie sich schnell über den Fluß zurückgezogen; aber die Janitscharen lagen in großer Zahl auf dem Schlachtfelde wie schön zusammengebundene Garben. Manche zeigten noch Leben, aber alle waren bereits durch das Gesinde des Kämmerers ausgeplündert.

Michael betrachtete sie und sagte: