Aber diese Ruhe war nur bedingt, denn als noch tiefere Nacht eintrat, hörte man durch die Stille den Klang der Spitzhämmer, die in die Felswand eindrangen.
»Das ist schlimmer als die Kanonen,« sagte Ketling aufhorchend.
»Ja, könnte man einen Ausfall machen,« bemerkte der kleine Ritter, » — aber es ist unmöglich. Die Mannschaften sind zu ermüdet, sie haben weder geschlafen noch gegessen, obwohl es an Essen nicht fehlte; aber die Zeit war zu kurz, und überdies steht bei den Mineuren immer eine Wache von gewöhnlich tausend Dschamaken und Spahis, damit sie von unserer Seite nicht behindert werden. Wir können nichts anderes tun, als selbst das neue Schloß in die Luft sprengen und in dem alten Schutz suchen.«
»Heute noch nicht,« antwortete Ketling. »Sieh', die Leute sind wie die Garben hingesunken und schlafen einen eisernen Schlaf. Die Dragoner haben nicht einmal die Säbel abgewischt.«
»Bärbchen, geh' in die Stadt und schlafe!« sagte plötzlich der kleine Ritter.
»Gut, lieber Michael,« antwortete Bärbchen demütig, »ich will gehen, — wie du befiehlst. Aber das Kloster dort ist schon verschlossen, — so möchte ich lieber hierbleiben und über deinem Schlafe wachen.«
»Seltsam,« sagte der kleine Ritter; »nach solcher Mühe flieht mich der Schlaf, — ich habe gar keine Lust, mich hinzulegen.«
»Weil dein Blut in Wallung ist durch das Spiel mit den Janitscharen,« sagte Sagloba. »So ging es mir auch immer, nach der Schlacht konnte ich nie schlafen. Was aber Bärbchen betrifft, — ehe sie in der Nacht zu der verschlossenen Pforte gehen soll, — so mag sie schon lieber hierbleiben bis zum Morgen.«
Bärbchen umarmte Sagloba vor Freude. Der kleine Ritter aber sagte, als er sah, wie sehr es ihr darum zu tun war:
»So laßt uns in die Kammern gehen!«