»Wir haben getan, was in unserer Macht lag, niemand von uns hat sich geschont, aber was unmöglich ist, ist unmöglich — wir müssen um die Bedingungen verhandeln.« Diese Worte drangen in die Stadt und verursachten eine große Zusammenrottung; die Menge stand vor dem Rathaus, unruhig, stumm; sie war Unterhandlungen eher ab- als zugeneigt. Einige reiche armenische Kaufleute freuten sich im geheimen, daß die Belagerung ein Ende habe, daß der Handel wieder beginnen werde; andere Armenier aber, die seit uralten Zeiten in der Republik ansässig waren und sie sehr liebten, ferner die Lechen, die Ruthenen wollten die Verteidigung fortsetzen. — Wenn wir uns ergeben wollen, so hätten wir es lieber gleich getan — murrte man hier und da — da hätte sich viel gewinnen lassen; jetzt werden die Bedingungen keine günstigen sein, und so lassen wir uns lieber unter den Trümmern begraben.

Das Murren der Mißvergnügten wurde immer lauter, bis es sich plötzlich und unerwartet in Rufe der Begeisterung und in Vivats umwandelte.

Was war geschehen? Herr Michael war auf dem Markte in Begleitung des Herrn Humiezki erschienen. Der General hatte sie absichtlich hinausgeschickt, damit sie selbst Rechenschaft von den Vorgängen im Schlosse gäben. Die Menge ergriff eine feurige Begeisterung. Die einen schrieen, als seien die Türken schon in die Stadt gedrungen, anderen traten Tränen in die Augen bei dem Anblick des vergötterten Ritters, dem man die außerordentlichen Anstrengungen anmerkte. Sein Gesicht war vom Pulverdampf geschwärzt und abgemagert, seine Augen gerötet und eingefallen, aber er blickte heiter drein. Als Herr Michael und Humiezki endlich durch den Menschenandrang hindurchgekommen waren und in den Rat eintraten, begrüßte man sie auch hier freudig. Der Erzbischof aber begann sogleich:

»Geliebte Brüder! Nec Hercules contra plures! Der Herr General hat uns schon geschrieben, daß ihr euch ergeben müßt.«

Darauf antwortete Humiezki, der sehr lebhaften Temperaments und überdies von hervorragender Familie war und sich wenig um das Urteil der Menge kümmerte, heftig:

»Der Herr General hat den Kopf verloren; er besitzt nur die Tugend, daß er ihn preisgibt. Was die Verteidigung betrifft, so trete ich das Wort Herrn Michael Wolodyjowski ab, weil er das besser zu sagen weiß.«

Aller Augen richteten sich auf den kleinen Ritter.

»Bei Gott, wer spricht hier von Ergebung! Haben wir nicht dem lebendigen Gotte geschworen, daß wir einer über des anderen Leiche fallen wollen?«

»Wir haben geschworen, daß wir tun werden, was in unserer Macht steht, und wir haben alles getan,« antwortete der Bischof.