»Wer etwas versprochen hat, soll auch dafür einstehen. Ich und Ketling, wir haben geschworen, daß wir das Schloß bis in den Tod verteidigen werden, und wir werden es verteidigen; denn wenn ich die Pflicht habe, jedem Menschen mein Ritterwort zu halten, um wie viel eher Gott, der alle an Majestät überragt.«
»Nun, und wie steht's mit dem Schlosse? Wir haben gehört, daß unter dem Tore eine Mine liegt. Wie lange haltet Ihr's aus?« fragten zahlreiche Stimmen.
»Die Mine ist unter dem Tore oder sie wird bald dort sein; aber auch ein artiger Wall erhebt sich schon vor dem Tore, und ich habe auch Kanonen auffahren lassen. Geliebte Brüder, um des Himmels willen bedenkt, wenn wir uns ergeben, müssen wir die Kirchen in die Hände der Heiden liefern, die sie in Moscheen umwandeln werden, um Gräuel darin zu verüben. Wie könnt ihr so leichten Herzens von Ergebung sprechen? Mit welchem Gewissen wollt ihr dem Feind die Pforte zu dem Herzen des Vaterlandes öffnen? Seht, ich sitze im Schlosse und fürchte die Mine nicht, — und ihr fürchtet sie in der Stadt, fern von dort? Bei Gott, ergeben wir uns nicht, solange Leben in uns ist! Laßt die Erinnerung an diese Verteidigung fortleben unter unseren Nachkommen, wie die von Sbarasch in unserem Gedächtnis lebt.«
»Das Schloß werden die Türken in einen Trümmerhaufen verwandeln,« antwortete eine Stimme.
»Mögen sie es verwandeln — auch von einem Trümmerhaufen kann man sich verteidigen.« Hier verließ den kleinen Ritter die Geduld. »Ich werde mich auf diesem Trümmerhaufen verteidigen, so wahr mir Gott helfe! Und nun mein letztes Wort: Ich übergebe das Schloß nicht! Habt ihr's gehört?«
»Du willst die Stadt ins Verderben stürzen?« fragte der Bischof.
»Ehe sie den Türken in die Hände fällt, will ich sie lieber verderben — ich hab's geschworen. Ich will kein Wort mehr verlieren, und ich gehe zurück unter die Kanonen, denn die verteidigen die Republik, sie verkaufen sie nicht.«
Er sprach's und ging hinaus; Humiezki folgte ihm und warf die Türe gellend ins Schloß. Eilig gingen sie beide dahin, denn sie fühlten sich in der Tat wohler unter Trümmerhaufen, Leichen und Kugeln, als unter den kleingläubigen Menschen. Auf dem Wege hatte sie Makowiezki eingeholt.
»Michael,« sagte er, »sag' mir die Wahrheit: hast du vom Widerstand nur gesprochen, um den Leuten Mut zu machen, oder hoffst du dich wirklich im Schlosse halten zu können?«