Die Ritter waren tief bewegt durch den Tod des Bogenschützen, denn er war einer der ersten Krieger in dem Heere der Republik. Man fragte den Dragoner noch aus, wie das gekommen sei, aber er konnte nicht Rede stehen, denn sein Blut floß in Strömen, und endlich sank er wie eine Garbe zu Boden.

Die Ritter klagten über den Tod Muschalskis.

»Sein Gedächtnis wird fortleben im Heere,« sagte Kwasibrozki; »wer diese Belagerung überlebt, der wird seinen Namen rühmen.«

»Ein solcher Bogenschütze wird nicht mehr geboren,« sagte eine andere Stimme.

»Er war der Stärkste in ganz Chreptiow,« ließ sich der kleine Ritter vernehmen; »einen Taler drückte er mit einem Finger tief in ein breites Brett hinein. Nur der eine Longinus, der Litauer, übertraf ihn an Kraft, aber der fiel bei Sbarasch, und von den Lebenden gleicht ihm höchstens Nowowiejski an Stärke der Arme.«

»Ein großer, großer Verlust,« sagten andere; »nur in alten Zeiten wurden solche Krieger geboren.«

Nachdem sie so das Andenken des Bogenschützen geehrt hatten, bestiegen sie den Wall. Michael schickte sofort einen Berittenen mit der Nachricht an den General und den Bischof, daß die Mine zerstört und die Mineure durch einen Überfall aufgerieben seien. Mit großem Erstaunen nahm man diese Nachricht in der Stadt auf, aber — wer hätte es für möglich gehalten — mit verhohlenem Unwillen. Sowohl der General wie der Bischof waren der Ansicht, daß diese augenblicklichen Triumphe die Stadt nicht retten und den grausamen Löwen nur noch mehr reizen würden. Sie hätten nur in dem einen Falle nützen können, wenn man trotz ihrer der Übergabe zustimmte, und so beschlossen denn auch die beiden obersten Führer, die Verhandlungen fortzusetzen.

Aber weder Ketling noch Michael glaubten, daß die glücklichen Nachrichten, die sie hinsandten, keinen Erfolg haben sollten; sie waren der Überzeugung, daß jetzt auch die verzagtesten Herzen Mut erfüllen, und daß alle in neuer Lust zu hartnäckigem Widerstand entbrennen würden, denn die Stadt konnte nicht eingenommen werden, solange das Schloß standhielt. Solange also das Schloß nicht nur Widerstand leistete, sondern sogar dem Feinde noch Schaden zuzufügen vermochte, befanden sich die Belagerer noch keineswegs in der Zwangslage, zu Verträgen ihre Zuflucht zu nehmen. An Vorräten war Überfluß, ebenso an Pulver; man brauchte nur die Tore zu bewachen und die Brände in der Stadt zu löschen.

Während der ganzen Belagerung war dies die freudigste Nachricht für den kleinen Ritter und für Ketling. Sie hatten große Hoffnung, selbst heil aus dieser türkischen Umklammerung hervorzugehen und die teuren Häupter ihrer Lieben heimzuführen.

»Noch ein paar Stürme,« sagte der kleine Ritter, »und so wahr Gott lebt, die Türken werden müde werden und uns durch Hunger zwingen wollen. Es fehlt uns an Lebensmitteln nicht; der September steht vor der Tür, in zwei Monaten beginnen die Regen und der Winter, und ihr Heer ist wenig abgehärtet; wenn sie einmal ordentlich frieren, gehen sie drauf.«