»Wir waren schon,« schrieb Sobieski später im Lager selbst, »der Niederlage nahe; wenn es gut endete, ist dies der außerordentlichen Entschiedenheit der Husaren zuzuschreiben.« In der Tat war der Anprall der Türken furchtbar gewesen, denn er wurde unter dem Eindruck der höchsten Verzweiflung unternommen, und kam gänzlich unerwartet. Aber die Husaren, die vom Schlachtfeuer noch nicht abgekühlt waren, rückten ihnen im schnellsten Laufe entgegen; erst kam Prusinowskis Fahne heran und gebot den Angreifern Halt, dann folgte Skrzetuski mit den Seinigen, ferner ein ganzes Heer von Reitern, Fußvolk, Lagertroß, wie und wo sie gerade standen — alles stürzte sich in größter Wut auf den Feind, und es entstand ein ungeordneter, aber an Wucht dem Angriff der Husaren nicht nachstehender Kampf.

Mit Bewunderung gedachten nach Beendigung der Schlacht die Ritter des Mutes der Türken, die, als Wischniowiezki und die litauischen Hetmane herankamen, von allen Seiten umringt, sich so rasend wehrten, daß man kaum ein Häuflein von Gefangenen machen konnte; denn der Hetman hatte die Erlaubnis gegeben, sie lebendig zu fangen. Als die schweren Fahnen sich endlich nach halbstündiger Schlacht aufgelöst hatten, kämpften noch einzelne Haufen, ja einzelne Reiter, Allah anrufend, bis zum letzten Atemzuge. Viele glänzende Taten geschahen hier, deren Gedächtnis unter den Nachkommen nicht ausstirbt. Hier hieb der Feldhetman von Litauen mit eigener Hand den mächtigen Pascha nieder. Dieser hatte vorher Rudomin, Kimbar und Rdultowski ergriffen; aber der Hetman ritt ihn von hinten an und hieb ihm mit einem Streiche den Kopf ab. Hier hieb Sobieski einen Spahi, der einen Pistolenschuß auf ihn abfeuerte, vor den Augen des ganzen Heeres nieder, hier stürzte sich Bidsinski, der durch ein Wunder sich aus dem Abgrund gerettet hatte, zerschlagen und verwundet wie er war, sofort in das Getümmel der Schlacht und kämpfte, bis ihn die Erschöpfung niederwarf. Er war lange darauf krank, aber als er nach einigen Monaten seine Gesundheit wiedergewonnen hatte, zog er nochmals in den Krieg und erntete großen Ruhm.

Von minder Hervorragenden wütete am gräßlichsten Ruschtschyz. Er schleppte die Gefangenen fort, wie der Wolf die wolligen Widder. Auch Skrzetuski vollbrachte Wunder. Um ihn her kämpften seine Söhne wie wütende Löwen. Mit Trauer und Schmerz gedachten diese Ritter dessen, was an einem solchen Tage Wolodyjowski, der Kämpfer aller Kämpfer, vollbracht hätte, wenn er nicht schon seit einem Jahre nur noch in glorreichem Angedenken fortlebte; die anderen aber, die in seiner Schule groß geworden waren, ernteten reichen Ruhm für ihn wie für sich selbst auf diesem blutgetränkten Felde.

In dieser erneuerten Schlacht fielen von den Rittern von Chreptiow außer Nowowiejski noch Motowidlo und Muschalski, der unfehlbare Bogenschütze. Motowidlo hatten mehrere Kugeln zu gleicher Zeit die Brust durchbohrt, und er stürzte nieder wie eine Eiche, deren Lebenslauf beendet ist. Augenzeugen sagten, er sei von der Hand der Kosakenbrüder gefallen, welche unter Führung Hohols in Husseins Reihen bis zum letzten Atemzuge gegen die Mutter und gegen die Christenheit gekämpft hatten. Muschalski aber — wunderbare Schickung! — fiel, von einem Pfeil getroffen, den ein Türke auf der Flucht gegen ihn aussendete; er durchbohrte ihm den Hals gerade in dem Augenblicke, da er nach der völligen Niederlage der Heiden mit der Hand den Köcher ergriff, um den Fliehenden noch einige unfehlbare Todesboten nachzusenden. Seine Seele muß sich mit Dydiuks Seele vereint haben, um die auf der türkischen Galeere geschlossene Freundschaft durch die Bande der Ewigkeit zu befestigen. Die alten Kameraden von Chreptiow fanden nach der Schlacht die drei Leichen und nahmen unter strömenden Tränen von ihnen Abschied, obgleich sie ihnen den so rühmlichen Tod neideten. Nowowiejski lag, ein Lächeln auf den Lippen und eine stille Heiterkeit in den Zügen. Motowidlo schien friedlich zu schlafen, und Muschalski hatte die Augen zum Himmel erhoben, als ob er betete. Man begrub sie zusammen auf dem ruhmreichen Felde von Chozim unter einem Felsen, in den man zum ewigen Gedächtnis ihre drei Namen unter einem Kreuze einmeißelte.

Der Führer der ganzen türkischen Armee, Hussein-Pascha, entkam durch die Flucht auf einem schnellen anatolischen Pferde, aber nur, um in Stambul aus der Hand des Sultans die seidene Schnur zu empfangen. Von dem glänzenden türkischen Heere gelang es nur einzelnen, kleinen Haufen, heil aus der Metzelei zu entkommen. Die letzten Scharen der Husseinschen Reiterei warfen die Heere der Republik einander in die Hände, so daß der Feldhetman sie dem Großhetman zutrieb, dieser wieder jenem, und so ging es abwechselnd, bis sie fast bis auf den letzten Mann aufgerieben waren. Von den Janitscharen war nahezu nicht einer davongekommen; das ganze ungeheure Lager strömte von Blut über, das sich mit dem Regen und Schnee vermischte, und der Leichen lagen so viele da, daß nur der Frost, die Raben und die Wölfe die Pest verhinderten, welche faulenden Leichen zu entströmen pflegt. Die polnischen Heere hatte ein solcher Kriegseifer ergriffen, daß sie, kaum erholt von der großen Schlacht, Chozim eroberten. Im Lager selbst fiel den Siegern unermeßliche Beute zu. Hundertzwanzig Kanonen und dreihundert Fahnen und Standarten schickte der Großhetman heim von diesem Felde, auf welchem schon zum zweiten Male im Laufe eines Jahrhunderts das polnische Schwert einen glänzenden Triumph erfochten hatte.

Sobieski selbst stand in Husseins Lager, das von Gold und kostbaren Stoffen erglänzte, und sandte durch geflügelte Boten von hier aus Nachrichten von dem glücklichen Siege nach allen Richtungen. Dann versammelte sich die Reiterei und das Fußvolk, alle polnischen, litauischen und kosakischen Fahnen, und das ganze Heer stellte sich in Schlachtordnung auf. Ein Dankgottesdienst wurde abgehalten, und auf demselben Maidan, auf welchem noch tags zuvor die Mu'ezzins Allah il Allah gerufen hatten, ertönte heute das Lied: Te deum laudamus. Der Hetman lag am Boden und hörte der Messe und dem Liede zu, und als er sich erhob, strömten ihm Tränen der Freude über das erhabene Antlitz. Bei diesem Anblick brachen die Ritterscharen, die sich noch nicht vom Blute gereinigt hatten, die noch von der Anstrengung der Schlacht zitterten, in einen dreifachen stürmischen Ruf aus:

»Vivat Joannes Victor!« ...

Zehn Jahre später, als die Majestät König Johannes III. die türkische Macht bei Wien in den Staub geworfen, hallte dieser Ruf wieder von Meer zu Meere, von Berg zu Berge, überall durch die Welt, wo Glocken die Gläubigen zur Andacht riefen ...