»Was war es denn?« fragte Christine und richtete wieder ihre Augen auf ihn.

»Ich will aufrichtig sprechen, denn ich denke, die Aufrichtigkeit ist immer mehr wert als die Verstellung. Aber ... aber das vermag ich nicht auszusprechen, wieviel Trost Ihr mir ins Herz gegossen habt, und wieviel Dankbarkeit ich für Euch empfunden habe!«

»O, daß es doch immer so bliebe!« antwortete Christine, indem sie über der Arbeit die Hände kreuzte.

Und Michael erwiderte in tiefer Traurigkeit:

»O, wenn es doch, wenn es doch so bliebe! Aber mir hat Herr Sagloba gesagt — ich spreche zu Euch wie zu einem Priester — mir hat Sagloba gesagt, daß die Freundschaft mit Frauen ein gefährlich Ding ist, denn leicht, wie die Glut unter der Asche, kann sich ein heißeres Gefühl darunter verbergen. Ich aber habe gedacht, Sagloba könne recht haben und — verzeiht, Fräulein, einem schlichten Soldaten, ein anderer würde es vielleicht feiner sagen können — mir, mir blutet das Herz, daß ich Euch in den letzten Tagen zurückgesetzt habe ... Und das Leben wird mir schwer, schwer.«

Bei diesen Worten bewegte sich Michaels Schnurrbart so schnell hin und her, wie kein Käfer seine Fühlhörner bewegt.

Christine ließ den Kopf sinken, und zwei kleine Tränen flossen über ihre Wangen.

»Wenn Euch das Ruhe geben kann, und Ihr glaubt, daß meine schwesterliche Neigung nichts nütz ist, so will ich sie verbergen ...«

Und wieder flossen zwei Tränen über ihre rosigen Wangen. Aber dieser Anblick zerriß Michael das Herz.