Gillettes Vater war schon eine Art Erfinder, und auch Gillette erfand in seiner freien Zeit immer irgend etwas. Immer hatte er die Idee, daß er eines Tages irgend etwas Wundervolles erfinden und dadurch ein Vermögen erwerben würde.
Mit 36 Jahren lernte er einen reichen Erfinder kennen — William Painter —, er hatte den »Crown-Seal«-Metallkork erfunden, der jetzt allgemein an Bier- und Mineralwasserflaschen verwendet wird.
Eines Tages sagte Painter zu Gillette: »Warum erfinden Sie nicht irgend etwas, das die Leute nötigt, von Ihnen zu kaufen, solange sie leben? Es hat keinen Zweck, gerade eine einmalige Sache einem Menschen zu verkaufen. Verkaufen Sie ihm etwas, das er gebraucht und wegwirft.«
Diese Anregung wurde die schöpferische Ursache des Gillette-Rasierapparates. Wochenlang dachte Gillette daran, dachte daran, wie er eine vergängliche Notwendigkeit erfinden könnte.
Dann, eines Morgens, rasierte er sich. Das Rasiermesser war stumpf. Sein Bart war struppig. Er kratzte unter Schmerzen an seinem Gesicht herum, als ihm wie der Blitz der Gedanke kam: Warum nicht eine bessere Art Rasiermesser?
Warum nicht ein Messer mit einer entfernbaren Schneide erfinden?
Er legte sein Rasiermesser hin, und noch mit dem Seifenschaum auf seinem Gesicht begann er den Entwurf eines neuen Messers zu skizzieren, das aus einer Klinge und einem Klingenhalter bestehen sollte.
Binnen einer Stunde war sein Entwurf vollendet. Dann beendete er die Rasur seines Gesichtes und eilte zu einem Eisenhändler, um Stahlband und eine Feile zu kaufen.
Er konstruierte sein erstes Rasiermesser persönlich und ließ es patentieren. Das war im Jahre 1895. Er war 40 Jahre alt geworden, bevor er auf die Fährte seines großen Erfolges kam.
Zunächst war sein Rasiermesser ein Mißerfolg. Neun Jahre lang war es ein Witz. Seine Freunde — und er hatte ihrer stets eine Menge — neckten ihn ohne Gnade mit seinem phantastischen Rasiermesser.