Westinghouse schrie auf vor Freude! Hier war der Wink, den er gebraucht hatte. Wenn Preßluft verwendet werden konnte, um einen Bohrer zu treiben, warum konnte sie nicht verwendet werden, um die Bremsen eines Zuges anzuziehen?
Er legte alles andere beiseite und stürzte sich in die Aufgabe, die erste Luftbremse zu konstruieren. In wenigen Wochen hatte er eine hergestellt. Sie funktionierte. Im Nu war er einer der größten Erfinder der Welt geworden.
Natürlich begegnete er den üblichen Schwierigkeiten, denen sich jeder Pionier gegenüber sieht. Die Eisenbahnleute hielten ihn für einen Narren. Sein eigener Vater lehnte es ab, ihm für solch ein »Kinderspielzeug« wie eine Luftbremse Geld zu leihen.
Westinghouse wanderte von einem Eisenbahnbureau zum andern und wurde von den meisten Eisenbahndirektoren wie ein harmloser Irrer behandelt.
»Einen Zug durch Wind aufzuhalten! Was denn sonst?«
Schließlich fand er einen Fachmann, der Mut und Vernunft hatte — Mr. W. W. Card von der Panhandle-Eisenbahn.
Mr. Card war bereit, Westinghouse einen Versuch zu gestatten, aber nur unter der Bedingung, daß dieser die Ausgaben selbst trage.
Zu dieser Zeit hatte Westinghouse überhaupt keine Geldmittel — aber er stimmte zu. Dann lief er zu allen seinen Freunden und borgte jeden Heller, den er bekommen konnte. Es war ein junger Mann namens Ralph Baggaly, der ihn besonders unterstützte.
Eine Versuchsfahrt wurde unternommen. Der Lokomotivführer war ein eifriger junger Mann namens Daniel Tate. Unmittelbar vor der Abfahrt gab ihm Westinghouse eine Zehnpfundnote als Trinkgeld: »Gib der Bremse eine gute Chance, Dan!« sagte er. Es war alles Geld, was Westinghouse hatte, und auch dieses war geliehen.
Dann ereignete sich ein glücklicher Zufall. Der Versuchszug lief dreißig Meilen die Stunde, als ein Fuhrwerk das Geleise kurz vor ihm zu kreuzen versuchte. Der Kutscher hieb auf die Pferde ein, aber diese scheuten rückwärts und schleuderten ihn zwischen die Schienen.