Alfred Krupp.”
Es gelang trotz dieser Unterstützung durch Krupp den Anstrengungen der nationalen Partei nicht, ihrem Kandidaten den Sieg zu verschaffen. Der ultramontane Kandidat siegte in der Wahl am 27. Oktober mit einer Mehrheit von über 4000 Stimmen.
Viel wichtiger war die Wahl im Jahre 1887, die durch die Auflösung des Reichstages nothwendig geworden war, und viel näher stand ihr dieses Mal Alfried Krupp, weil sein Sohn, der überall beliebte 33 Jahre alte junge Fabrikherr Friedrich Alfred mit seiner Zustimmung die Kandidatur angenommen hatte. Groß waren die Hoffnungen der nationalen Parteien, da es sich bei diesem Wahlkampf nicht um eine Parteisache, sondern um hervorragend vaterländische Gesichtspunkte handelte, von deren Behandlung unzweifelhaft die Sicherung des Friedens abhing. Man hoffte, daß die Anhänger des Zentrums von der Aufstellung eines besonderen Kandidaten Abstand nehmen und mit den nationalen Parteien zusammengehen würden, nachdem der Papst Leo XIII. in unzweideutiger Weise den deutschen Katholiken empfohlen hatte, für das Septennat einzutreten. Man hoffte endlich, daß gerade die Kandidatur des jungen Krupp, als des in jeder Hinsicht geeignetsten Vertreters der gesammten Interessen des Kreises viele Schwankende auf die Seite der nationalen Sache führen werde. Als jedoch die größte Zahl der katholischen Wähler, beeinflußt durch die Zentrumspresse, wieder ihren ultramontanen Kandidaten aufstellte und durch das abermalige Hervorzerren der konfessionellen Gegensätze der Ausgang zweifelhaft wurde, ergriff Alfried Krupp das Wort und erließ folgende Erklärung:
„Ansprache an die Angehörigen meiner Gußstahlfabrik und der meiner Firma Fried. Krupp gehörenden Berg- und Hüttenwerke.
Vor 60 Jahren war ich geschäftsführender Mitarbeiter der damals so kleinen Gußstahlfabrik; wir waren Unser zusammen acht, heute zählt die Fabrik mit ihren Berg- und Hüttenwerken gegen 20000 Arbeiter.
Wir haben von jeher treu zu einander gestanden, die Sorge für Wohlfahrt, Recht und strenge Unparteilichkeit gegen alle Konfessionen wurde vergolten durch Diensteifer und Anhänglichkeit. Die gegenwärtige große Verwaltung befolgte bisher, wie sie es auch künftig thun wird, dieselben Grundsätze. So erklärt sich das Gedeihen des ganzen Werkes und der angehörigen Familien, auch die Beruhigung versorgter Wittwen und Kinder der Verstorbenen.
Mit dem Bewußtsein, das allgemeine Vertrauen ehrlich verdient zu haben, folge ich nun dem Drange, noch ein Mal an den jetzigen großen Kreis unserer Angehörigen einige Worte zu richten, wie solches in früheren Jahren bei anderen wichtigen Veranlassungen ja öfter geschehen ist und mit Erfolg belohnt wurde. Damals berührten die Fragen die Sicherheit und den Frieden, das einseitige innere Interesse der Fabrik und der Familie allein; meine heutige Ansprache betrifft dagegen das große Interesse des ganzen deutschen Reiches, welches ja auch das Unsere ist.
Kurz, mit Uebergehen der bekannten Ereignisse, will ich hier der von Seiner Majestät dem Kaiser befohlenen Neuwahl von Mitgliedern zum Reichstage gedenken und Betrachtungen daran schließen.
Von dem Geiste der Majorität des nächsten Reichstages wird die Frage abhängen, ob Krieg oder Frieden. Stehen wir einig und stark da, so wird Frankreich es nicht wagen, uns zu überfallen. Zeigen wir uns uneinig und schwach, so ist der Krieg unabwendbar, und wäre es dann nicht unmöglich, daß bei ungenügender Militärmacht die deutsche Armee, trotz ihrer geschichtlich unvergleichlichen Großthaten, der Uebermacht würde weichen müssen, und dann das Innere des Reiches, mit Krieg überzogen, entkräftet, verheert und das Ganze vielleicht wieder zerrissen werden könnte.
Da jeder nicht verblendete Staatsbürger ohne Unterschied der Stellung doch nur das Verlangen haben kann, das Letztere zu verhüten, so sollten Alle sich vereinen, dem Aufruf Seiner Majestät des Kaisers zu folgen durch Wahl einsichtsvoller, vaterlandsliebender Mitglieder zum Reichstag, damit die Militär-Vorlage, welche allein den Frieden sichern kann, zum Gesetz erhoben werde.