Um dem Herrn Bahr dieses »Verschwinden« zu erklären, zeigten wir ihm, wie auch in diesem »Unternehmen« unsere Regierung die Hauptrolle spielt und es ausschließlich ihr Verdienst ist, daß es mit diesen historischen und kunstvollen Andenken unseres Volkes so weit gekommen ist.

Wir erzählten ihm folgendes: Unsere Regierung führt schon seit mehreren Dezennien ununterbrochen und systematisch die Entwaffnung des Landes durch; bei diesen Entwaffnungen wird auf die historischen Volkswaffen der größte Wert gelegt, und werden dieselben von den betreffenden behördlichen Organen mit einer gewissen Habgier gepfändet und abgenommen; hierbei werden mit den neuen Waffen alte Gewehre, Pistolen und Säbel abgenommen, mit denen man kaum eine Maus töten könnte, die für das Volk jedoch die einzige Erinnerung an die Heldentaten ihrer Vorfahren sind. Diese Waffen werden dann aus Dalmatien nach Wien transportiert, und hier entweder um teures Geld verkauft, oder unter die höheren Beamten und deren Freunde verteilt. Der verstorbene Dr. Trojanović sah gelegentlich einer Opernvorstellung in Wien in der Hand des Tenors einen herrlichen alten Säbel, der aus der Gegend von Kotor stammte; als er mit diesem Tenor zusammenkam, sagte ihm dieser, er habe den Säbel im Ministerium des Inneren erworben. Schließlich wurde vor einiger Zeit das Dorf Glavice bei Sinj entwaffnet und hierbei den Leuten kostbare, in Gold und Silber gearbeitete, sowie mit Edelsteinen verzierte Waffen, abgenommen.

Als Herr Bahr dies hörte, staunte er und skandalisierte sehr über dieses Barbarenwesen und diese Plünderung – wie er es selbst bezeichnete. Er wollte gar nicht an die Möglichkeit unserer Behauptungen glauben, und sagte, daß dies nicht nur ein dalmatinischer, sondern ein europäischer Skandal wäre, und begriff nicht, wie das Land und besonders die Abgeordneten dem ruhig zusehen können, denn es wäre doch unglaublich, wenn man diesem Vorgehen nicht Einhalt tun könnte...

Als Bahr dann nach Wien kam, richtete er einen Brief direkt an den Statthalter Nardelli, worin er ihm Einiges, was er in dieser Beziehung gehört, mitteilte, und fragte ihn ob es wahr sei, daß gelegentlich der Entwaffnung im Jahre 1907 in einem Dorfe des Bezirkes von Splitazach die altertümlichen Volkswaffen den Bauern abgenommen wurden. (Bahr glaubte nämlich, daß das Dorf Glavice im politischen Bezirke von Split gelegen sei.) Die Statthalterei wußte zwar genau, daß sich dies auf den Ort Glavice beziehe, machte sich jedoch den Irrtum Bahrs zu Nutzen, und stellte fest, daß schon seit zehn Jahren im Bezirke von Split keine Entwaffnung vorgenommen wurde, und daher auch die Behauptung Bahrs nicht der Wahrheit entspreche.

Herr Bahr ruhte jedoch nicht, erfuhr, daß der Ort Glavice zum politischen Bezirk von Sinj gehöre, daß derselbe im Jahre 1907 entwaffnet wurde, und daß bei dieser Gelegenheit nebst anderen auch dem Luka Milauvire-Litre zwei kostbare Stücke alter Waffen abgenommen wurden.

Als Bahr im Besitze dieser unwiderlegbaren Tatsachen war, drohte er diesen ganzen systemisierten Skandal der Plünderung des Nationalgutes in die europäische Presse zu bringen, falls dem nicht ehebaldigst entgegengetreten würde.

Die Drohung des deutschen Herrn Bahr flößte doch den Herren in Zadar und Wien Angst ein, obwohl sie die Drohungen unserer Abgeordneten unbeachtet ließen, und die Folge war, daß die Statthalterei einen Erlaß erließ, worin angeordnet wird, daß die dem Luka Milanovič-Litre, gelegentlich der Entwaffnung abgenommenen Waffen sogleich rückzuerstatten sind, und am 27. Mai l. J. sandte die Statthalterei ein Zirkular an alle Bezirksvorstände, in welchem bestimmt wurde, daß von nun an bei der Entwaffnung dalmatinischer Ortschaften auf die alten Waffen genau zu achten ist, und solche weder gepfändet noch abgenommen werden dürfen, sondern im freien Besitze desjenigen zu verbleiben haben, bei dem sie gefunden wurden.

So wird durch das Verdienst eines Fremden unser Volk in der Lage sein, die wenigen Überreste der historischen Waffen behalten zu können. Dies ist zwar sonderbar und traurig, aber wahr.«

In diesem Aufsatz wundert mich nur, daß die Statthalterei als eine »Drohung« empfunden haben soll, was doch nur eine höfliche Anfrage war.

Am Ende wird man dieses ganze Buch auch als »Drohung« empfinden, während es doch nur zornige Liebe ist, die hier spricht.