Die schweizerische Grönland-Expedition des Herrn Dr. A. de Quervain.
Die deutsche Hilfsexpedition Lerner nach Spitzbergen zur Auffindung der Schröder-Strantz-Expedition.
Die offizielle Reise Sr. Kgl. Hoheit des Kronprinzen von Griechenland in die eroberten Gebiete.
„Mit der Kamera in der Schlachtfront“, Aufnahmen vom griechisch-bulgarischen Krieg, welche unsere Reporter auf Befehl Sr. Majestät des Königs von Griechenland aufgenommen haben usw. usw.
Auch sonst weisen die Listen eine Fülle geographischer Aufnahmen auf. Es ist hier wie überall zu berücksichtigen, daß die internationalen Firmen auch Aufnahmen untereinander austauschen oder sie gegenseitig für bestimmte Länder unter ihre geschäftlichen Fittiche nehmen.
Besonders interessant ist die Bemerkung der Firma: „In Deutschland ist für belehrende Filme großer Rückschritt zu verzeichnen, in England und Amerika großer Fortschritt.“
Diese — auch sonst bestätigte — Bemerkung überrascht mich durchaus nicht. Die Ursachen sind zum Teil aus dieser meiner Schrift zu ersehen. Wir Deutschen unterscheiden uns von andern Völkern dadurch, daß wir, besonders wo „Wissenschaft“ und „Bildung“ in Betracht kommen, entweder gründlich mittun wollen oder gar nicht. Wenig Völker stehen auf solcher Höhe wissenschaftlicher, keines auf solcher Höhe pädagogischer und volkserzieherischer Gewissenhaftigkeit wie das deutsche; niemand kann sich nach Feinheit und Durchgeistigung der Lehrmethoden, niemand nach dem Stande allgemeiner bewußter ästhetischer Volkskultur mit uns messen. Das führt gewiß einerseits auch gerade in Deutschland zu unliebsamen Erscheinungen: Pedanterie, Trockenheit, „Schulmeisterei“, beflissene Vielgeschäftigkeit, Übersehen des Wesentlichen und Hängenbleiben in Kleinigkeitskrämerei, weltfremder „Idealismus“. Gewiß, solche Nebenerscheinungen auch in der Kinoreform selbst haben viel dazu beigetragen, die Jugend und das Volk von „Reform“programmen eher abzuschrecken. Das Beiwort „belehrend“ mußte durch solchen Zusammenhang einen unangenehmen Beigeschmack bekommen. Ebenso wie mit Worten wie „Bildung“ und „Gebildete“ bei uns viel Mißbrauch getrieben wird. (Es ist bezeichnend, daß andere Sprachen überhaupt keine Bezeichnung für diesen Begriff haben.) So kommt es wohl, daß die Massen anderswo — zumal wo, wie in Frankreich, England, Amerika, ein frischerer internationaler Wind, mehr Odem vom Weltmeer, weht als leider immer noch bei uns, geographische, ethnographische usw. Bilder leichter und lieber aufgenommen werden. Man nimmt sie eben hin, wie sie sind, empfindet sie gar nicht als besonders „belehrend“, denkt sich nicht viel dabei und macht noch weniger Ansprüche. Wenn uns Deutschen das Spielzeug gefallen soll, so muß es solider und namentlich feiner ausgeführt sein. Das Bessere — wovon wir infolge unserer verhältnismäßig hohen allgemeinen Volksbildung doch mindestens ein Gefühl in uns tragen — ist hier der Feind auch des „Guten“. Das bloße Gaffen befriedigt uns nicht, wir wollen auch für den Geist was haben. In Deutschland wird die erdkundliche Geographie nicht eher durchdringen, als bis sie in dem Geiste, dem ich in dieser und meiner vorigen Schrift Ausdruck gegeben habe, durchgeführt ist. Filme allein, und wenn sie noch so gut sind, sind nur — Rohstoff.
2. Société des Etablissements Gaumont, Paris, Deutsche Gaumont-Gesellschaft m.b.H., Berlin. Bringt jede Woche ein bis zwei erdkundliche Filme heraus. Ältere Aufnahmen können nur nach Katalog hergestellt werden. Teile von Negativen werden nicht kopiert. Erdkundliche Aufnahmen wurden unter Mitwirkung von Gelehrten, Lehrern und Forschungsreisenden, solche für Schulzwecke unter Aufsicht eines Pädagogen gemacht. „Der sprechende Film Gaumont“ ist meines Wissens nur eine neue Synchronvorrichtung, die für erdkundliche Aufnahmen nicht in Betracht kommt; doch wurde u. a. ein krähender Hahn damit gezeigt. Die Firma rühmt sich auch, „eine komplette Lösung der Naturfarbenkinematographie“ gefunden zu haben. Die Erfindung, die Kinemacolor übertreffen soll, wird von der Presse sehr gelobt. Von Gaumont wurden u. a. die Südpolaufnahmen der Expeditionen Shackleton und Scott gemacht. „Wir hoffen, daß die Schulen endlich einsehen werden, welche materiellen Opfer die großen Filmfabriken im Interesse der Schulkinematographie bringen.“ Es liegt im Interesse dieser Filmfabriken, daß sie der Organisation einer Filmmesse usw., wie ich sie vorgeschlagen habe, ebenso wie andern Bestrebungen zur Verwirklichung von Reformbestrebungen nicht wie bisher Gleichgültigkeit entgegenbringen oder gar Schwierigkeiten machen. Nur wenn Naturfilme in einem Zustande, der allen Ansprüchen entspricht, in den Verkehr kommen, wird ihre Herstellung für die Fabriken nicht mehr ein Opfer sein.
3. Die Firma Meßters Projektion GmbH., Berlin S 61, erzeugt etwa 20 v. H. erdkundliche Aufnahmen, darunter solche von Prof. C. H. Schillings (Berlin), Prof. Dr. Neuhaus, Prof. Dr. Bockenheimer, Sr. Hoheit Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, Marinemaler Rave (Schröder-Strantz-Expedition). Hat auch Aufnahmen eigens für Schulzwecke gemacht. Auf Begleittexte, Material dazu usw. hat die Firma keinen Wert gelegt. Baut auch besondere Apparate für Schule und Liebhaberzwecke, für Expeditionen (leichtes Gewicht usw.); u. a. einen Apparat, mittels dessen auf einen Film oder Reihen Bilder nebeneinander genommen werden können. „Wir halten die Bestrebung, naturwissenschaftliche Filme zu machen, durch den Mangel an Käufern für solche Bilder für nicht rentabel.“