Die Namen (nebst Aussprache!) und Kennzeichen aller Einzelheiten der Örtlichkeit (Berge, Wasser, Ansiedlungen, Bäume, Tiere) und kinematographisch hervorragenden Personen (Name, Stand oder Beruf, Tätigkeit im Bilde, Kennzeichen, Tracht, Waffen usw.).

Verlauf der Szene, Geschehnisse, Bewegungsvorgänge.

Dabei wahrgenommene, im Bilde nicht wiedererscheinende, daher zu ergänzende Nebenerscheinungen (Geräusche, Farben, eventuell Maße, Reden, Ausrufe, Liedertexte, Noten usw.) und andere wissenswerte oder wissenschaftlich nötige oder interessante Einzelheiten.

Es ist einleuchtend, daß erst durch diese gedanklichen Ergänzungen der Film seinen höchsten gegenständlichen und eventuell erscheinungsgeschichtlichen Wert erhält. Ebenso einleuchtend aber ist es, daß diese Erläuterungen nur von einem Fachmann, jedenfalls einer dem Gegenstand wissenschaftlich ganz gewachsenen Persönlichkeit gegeben werden können, und zweitens, daß nur selten ein und dieselbe Person das Bild aufnehmen und die nötigen Beobachtungen und Notizen dazu machen kann. Ja häufig werden sich in letztere Arbeit allein mehrere Personen teilen müssen.

Die Unzulänglichkeit der bisherigen geschäftsmäßigen erdkundlichen Kinematographie beruht letzten Endes darauf, daß sie zumeist von ganz unberufenen Laien nach reinen Geschäftsgesichtspunkten gemacht wird. Die geschäftlichen Gesichtspunkte bewirken, daß die meisten Bilder von den großen Heerstraßen der Cookweltreisenden gemacht werden, wo sie natürlich selten mehr ein wirkliches Stück natürliche Natur zeigen, sondern fast immer jenes Fremdenindustrieelend, das alles, lebende und tote Dinge, und die Menschen zumeist, auf den Fremdenfang „frisiert“ zeigt. Wer die üblichen Kinobilder daraufhin beobachtet, wird das sehr häufig bestätigt finden. Derselbe Beweggrund bewirkt, daß zumeist fade „Sensationsszenen“ unter der Herrschaft superlativer Schlagwörter („die größten ... die berühmtesten ... der Welt“ usw.) und mit alberner, theatermäßiger Staffage gemacht werden, weil sie so vermeintlich besser „ziehen“. Dasselbe bewirkt die erdkundliche Unbildung der meisten „Operateure“. Sie gehen nicht nach dem, was erdkundlich wichtig und fesselnd ist, sondern nach dem, was sich am tüchtigsten bewegt — und wenn sie mal etwas Wertvolles erwischen, so wissen sie selber nicht warum, und die Sache bekommt dadurch etwas Schiefes. Wenn irgendwo, so ist auf dem Gebiete erdkundlicher Aufnahmen eine enge Verbindung kinematographischer mit wissenschaftlichen Fachleuten im beiderseitigen Interesse geboten. Mit dem ungeheuern Kapital, das von den Firmen in erdkundliche Aufnahmen gesteckt wird, ließe sich ein Material von unermeßlich sachlichem Werte aufhäufen, das sich aber auch durch ein zehnfach und hundertfach gesteigertes Interesse der Öffentlichkeit viel glänzender als jetzt verzinsen ließe. Die großen Firmen klagen ja alle, daß sie mit ihren Naturaufnahmen schlechte Geschäfte machen, daß trotz des großen Aufwandes kein rechtes Interesse dafür, am wenigsten bei Fachleuten, aber nicht einmal bei Schulbehörden zu erwecken ist. Nun, das liegt einzig und allein an der Unsachgemäßheit der Aufnahmen. Ohne maßgebende Mitwirkung erdkundlicher Fachleute, und zwar Spezialisten, bei der Wahl, Vorbereitung, Ausführung und nachhaltigen Behandlung kann keine erdenkliche Aufnahme von höherm Werte und wissenschaftlich erzieherischer Brauchbarkeit entstehen. Geographische Fachleute aber können dadurch, daß sie derartige Aufnahmen machen helfen — aber natürlich nicht als eine „populäre“ Spielerei, mit der man eigentlich seiner Würde etwas vergibt, und der man nur die Brosamen zugute kommen läßt, die vom Tische „ernster“ Wissenschaft abfallen, sondern mit voller Hingabe und Gewissenhaftigkeit, und nach eingehender schülermäßiger Einübung — nicht nur sich selber und der Wissenschaft manche kühne Hoffnung erfüllen, sondern auch ein tüchtiges Stück Arbeit im Dienste der allgemeinen Bildung, der Ausbreitung erdkundlichen Wissens und des Interesses an und des Verständnisses für diese Wissenschaft tun. Hier liegt der Keim aller Kinogesundung und der Hebel, den Kino zu einem Kultur- und Bildungswerkzeug zu machen, und die Geographen sind die berufenen Mitarbeiter dazu. Es ist keine Schande für sie, in diesem Sinne über den Kreis ihrer engern Fachinteressen hinaus zu blicken.

Besonders möchte ich hier auch noch auf den Nutzen hinweisen, den beide Teile davon haben könnten, wenn sich Kinoleute und Missionare in aller Welt verständigten. Die letzteren sind naturgemäß oft große Kenner der Erd- und Völkerkunde ihres Gebiets.


  1. [3)] Und zwar leider dennoch auf Nimmerwiedersehen! Bei Nachforschung stellte sich heraus, daß das unschätzbar wertvolle Negativ nach einer gewissen Anzahl Kopien wie üblich „vernichtet“ worden ist — eine bezeichnende Illustration zum Thema „Traum und Wirklichkeit in der Kinematographie“. Filmarchive!

III. Schulerdkunde und Kino