Formen der Haematinkrystalle, vergr.

Wichtig für die Untersuchung der Blutflecke ist die Darstellung der Teichmann’schen Häminkrystalle. Das Haematin hat nämlich eine grosse Verwandtschaft zur Salzsäure, und diese Verbindung hat eine vorwiegende Neigung zu krystallisiren. Diese Teichmann’schen Häminkrystalle sind Haematinhydrochloratkrystalle. Zu ihrer Darstellung aus Blutflecken wird die wässrige, nicht zu dünne Blutlösung (2–3 Cubikcentimeter) mit einigen Tropfen Eisessig und einer sehr geringen Menge (circa 1 Ctgr.) Kochsalz versetzt. Werden dann einige Tropfen der Lösung auf einem Objectglase an einem lauwarmen Orte abgedunstet, so beobachtet man unter dem Mikroskop die braunrothen bis schwarzbraunen Haematinhydrochloratkrystalle in Form rhombischer Nadeln und Täfelchen. Man kann auch die trockne, pulverig zerriebene blutähnliche Masse nach Zusatz einer unbedeutenden Menge Kochsalz mit Aetherweingeist, welcher mit wenigen Tropfen Eisessig versetzt ist, extrahiren und diese durch Glaswolle filtrirte Lösung verdunsten lassen, um dieselben Krystalle zu erlangen. Der Kochsalzzusatz ist nur ein Ersatz des im Blute von Hause aus vorhandenen Chlorids, im Falle die Blutsubstanz der Einwirkung von Wasser ausgesetzt war.

[Fig. 162.]

Haematinhydrochloratkrystalle. Teichmann’sche Haeminkrystalle.
350–400malige Vergr.

Auch fauliges, selbst altes eingetrocknetes Blut liefert diese Krystalle. Brücke giebt folgende Anweisung zur Untersuchung der Blutflecke. Die Flüssigkeit, welche man durch kaltes Ausziehen mit destillirtem Wasser aus dem Blutfleck gewonnen hat, lässt man, mit einem sehr kleinen Körnchen Kochsalz versetzt, in einem Uhrglase unter der Luftpumpe oder über Schwefelsäure verdunsten oder an freier Luft eintrocknen. Dann durchmustert man das Uhrglas unter dem Objectiv, ob sich nicht etwa Krystalle darauf befinden, die den Haeminkrystallen ähnlich sind und damit verwechselt werden können. Hierauf übertropft man den Boden des Uhrglases mit Eisessig und verdampft denselben an einem warmen Orte von 50–80° C. Nun giebt man einen Tropfen destillirtes Wasser auf das Uhrglas, nimmt damit den Rückstand auf und bringt die Mischung auf Objectgläsern unter das Mikroskop. Ein bohnengrosser Blutfleck liefert viele tausende dieser kleinen, gelben bis braunrothen Haeminkrystalle in Form von rhombischen Tafeln und Säulen, oft sich kreuzend über einander lagernd. Sie sind in Essigsäure, Salzsäure, Weingeist, Wasser unlöslich, dagegen löslich in Aetzalkalien und concentrirter Schwefelsäure. Im Uebrigen gelangt man rascher zum Ziele, wenn man das mit dem Blutflecke bedeckte ausgeschnittene Stück Zeug oder das mit dem Fleck bedeckte Scheibchen Holz, oder die von einer Metallplatte abgekratzte blutfleckenartige Masse in einem Probircylinder mit Eisessig aufkocht, heiss und rasch filtrirt und die Flüssigkeit in einem flachen Glasschälchen an einem warmen Orte eintrocknet. Bei frischem Blute ist der Zusatz von Kochsalz gerade nicht nothwendig.

Schleim. Eiter.

Schleim, das Absonderungsprodukt der thierischen Schleimhäute (z. B. der Speichel), ist eine durchscheinende oder durchsichtige dickflüssige Masse mit darin befindlichen Epithelialzellen (den Zellen der äussersten Schicht der Schleimhaut). Jene dickflüssige Masse besteht aus den Schleimkörperchen. Diese erscheinen unter dem Objectiv als runde, stark granulirte, farblose, einzelne oder an einander hängende, Gruppen und Flächen ausfüllende Körperchen, welche einen und mehrere Kerne enthalten.

[Fig. 163.]