„Mein Vater besaß eine Gutsherrschaft in der Nähe von Bautzen. Diese
ging nach seinem Tode in den Besitz meiner Mutter über, die aus den
Erträgnissen eines aus der Verwertung desselben hervorgegangenen
Vermögens existiert.
„Ich wurde als junger Mensch von meinen Eltern in die Kadettenanstalt in Dresden gethan, und bin sodann in Wien in österreichische Militärdienste getreten. Nachdem ich wegen einer Meinungsverschiedenheit mit meinem Vorgesetzten den Abschied genommen, war ich in gleicher Eigenschaft als Soldat einige Jahre im Ausland und habe mich, von dort zurückgekehrt, in den großen europäischen Städten auf verschiedenen, mich interessierenden Gebieten, namentlich auch schriftstellerisch und journalistisch versucht, und bin endlich, nach längerem Aufenthalt in Wien und Dresden, hier seit reichlich einem Jahre in dem mich besonders anziehenden Berlin gestrandet.
„Gewiß, ich begreife, daß man Persönlichkeiten, die häufig in ihren
Lebensbeschäftigungen wechseln, ein gewisses Mißtrauen entgegenträgt.
Indessen hat mich stets ein ausgeprägter Sinn für alles Wissenswerte
geleitet, und ganz besondere Umstände führten die eingetretenen
Ortsveränderungen herbei.
„Auch darf ich der Wahrheit gemäß behaupten, daß ich, war ich auch einmal leichtlebig, in allen ernsten und Ehrensachen stets äußerst genau verfahren habe.
„Letzteres erwähne ich, weil ich Sie gegebenen Falles zu fragen mir erlauben möchte, ob Sie mir nicht eine Thätigkeit in Ihrem vielverzweigten Geschäft anweisen könnten.
„Ich führe — ich darf es behaupten — eine gewandte Feder!
„Und noch eins gleich! Sie haben vielleicht ein anonymes Schreiben erhalten! Ich bitte, daß Sie mich es lesen lassen, um die Verleumdungen zu widerlegen.“
Herr Knoop hatte, wie erwähnt, dieser inhaltreichen, in einem außerordentlich freimütigen Ton vorgetragenen Rede unter den vorteilhaftesten Eindrücken zugehört.
Als Herr von Klamm aber den letzten Satz sprach, meldete sich ein gewisses Mißtrauen. Sicher! Keiner, der Beste, — so überlegte Herr Knoop — konnte sich vor Verdächtigungen schützen, aber die Wirkung solcher konnte auf andere niemals eine günstige sein! Im übrigen entsprach er dem Wunsch, den Baron Klamm geäußert hatte.
Während Baron Klamm das Schreiben prüfte, trat ein verächtlicher
Ausdruck in sein Antlitz. Dann sagte er, während er den Brief Herrn
Knoop mit kavaliermäßiger Artigkeit wieder überreichte: