Man ließ sie dafür büßen, daß sie sich einbildeten, sie seien nun schon Gleichberechtigte. Was war ein erkaufter Adel? Mutter und Tochter fühlten eine heiße Scham, um die Gunst so Denkender zu buhlen.

Aber auch in ihrem bisherigen Bekanntenkreis in Berlin hatten sie starke Enttäuschungen erfahren. Dort machte sich der Neid breit. Die angeseheneren Familien, die Knoops ihre Thüren bisher geöffnet, mit ihnen, wenn auch nicht eng, aber doch in sehr freundlicher Weise verkehrt, hatten nun nichts mehr vor jenen voraus!

Jetzt standen Knoops mit Geld und Rang über ihnen! Das paßte ihnen nicht! —

Das Benehmen der jungen Herren gegenüber Margarete war auch ein ganz anderes geworden. Die Gutgearteten, die Absichten auf sie gehabt hatten, zogen sich zurück, weil sie nicht den Eindruck hervorrufen wollten, sie würben nur um die reiche Erbin! Und wiederum drängten sich die auf ihren Geldbeutel Spekulierenden jetzt mehrfach mit solcher Unzartheit an sie heran, daß es sie verletzte.

Herr von Knoop hatte früher seine ihn stark in Anspruch nehmende Thätigkeit gehabt. Er hatte einen Tageszweck besessen. Jetzt langweilte er sich, er beschäftigte sich fortwährend mit seiner Gesundheit und bildete sich zum Hypochonder aus. Infolgedessen war seine Laune meistens keine gute. Er nörgelte um nichts; er quälte seine Umgebung mit Kleinlichkeiten. Und wiederum, wenn die vornehme Gesellschaft in Frage kam, konnte er, trotz eben hervorgehobener Beschwerden, alles, war er zu Opfern stets bereit und befand darauf, daß man den Adligen den Hof mache. Er schalt, wenn seine Familie nicht sehr willig auf seine Aeußerlichkeits-Rücksichten einging, als kleinlich, unsinnig, empfindlich und unliebenswürdig. —

Nach Tisch begab sich Margarete in ihr Zimmer oben im Gutshause und hielt eine Umschau in die sie umgebende Welt.

Behrwalde war ein prachtvoller Besitz, wurde von einem äußerst tüchtigen
Mann verwaltet, und stand infolgedessen in bester Kultur.

Aber auch die Lage des Gutes war eine herrliche. Das in weißer Farbe prangende Herrenhaus war umschlossen von laubreichen, alten Buchen und Linden. Weiter hinab umgaben äußerst wohlerhaltene, von Epheu und Schlinggewächsen meist umzingelte Wirtschaftsgebäude den mächtig geräumigen Gutshof. Hinter den zwei, unten das Gesamtviereck begrenzenden, altertümlich gebauten Thorhäusern bot sich dem Auge ein Blick, der nicht schöner gedacht werden konnte.

Durch Tannen- und Buchenwaldungen unterbrochene grüne Flächen dehnten sich bis zum sanftblauen Horizont aus. Zwischen ihnen tauchten die Silberbänder kleiner Auen auf, und überall erhoben sich Dörfer mit weißschimmernden Mauern, Kirchtürmen und roten Dächern.

Zur Linken, gleich neben dem Schloß, trat man in einen, durch ein vergoldetes Gitterwerk eingefriedigten Park. An ihn stieß der Besitz von Klamms. Zur Rechten befand sich ein großer Gemüsegarten.