Eine unbändige Heftigkeit kämpfte in seinem Innern mit einer sich regenden, heißen Reue. In diesem Augenblick wünschte er, daß er niemals sein schönes, durch Fleiß und kräftige Pflichterfüllung aufgerichtetes Werk anderen Händen überlassen, daß er, wie seine Frau richtig geäußert, in Arbeit und Einfachheit auch ferner sein Glück gefunden hätte.

Und eben diese Selbstanklage, und diese große, sich unheimlich in seine Seele einschleichende Reue, veranlaßten ihn zu den schwersten Ausfällen gegen seine Familie.

Er sprach in den heftigsten Ausdrücken von Uebertreibungen, und er redete von schnödem Undank! Statt Anerkennung zu empfangen und guter, gerechter Einsicht zu begegnen, daß er — allezeit ein Fleißiger und Bebürdeter — in seinem Alter auf Ruhe, Erholung und Ablösung ein Recht habe, faßten sie beide nur ihre Annehmlichkeiten ins Auge, ergingen sich gegen ihn in Vorwürfen und Anklagen, und verbitterten ihm das Dasein. Ihnen fehle jedes Verständnis dafür, daß sich ein Mann Ansehen und Beachtung in der Welt erwerben solle.

Sie stellten ihn nachgerade als einen Unmündigen hin, der noch wie ein Schulkind belehrt werden müsse. Er wisse aber sehr genau, was er wolle, und sie sollten Gott danken, daß sie sich keinen Wunsch zu versagen brauchten, und überhaupt vom Glück überschüttet seien.

Im übrigen trenne er Berechtigtes von unzutreffenden Sentimentalitäten.

Mit Arthur werde er ein sehr deutliches Wort reden. Er habe einen festen Entschluß gefaßt. Den Inhalt würden sie bald erfahren. —

Hierauf griff er nach Hut und Stock, erklärte, daß er, da er frische
Luft und andere Eindrücke zu seiner Besänftigung gebrauche, allein zur
Stadt fahren wolle, und befahl dem schon mit recht mürrischer Miene auf
dem Bock sitzenden Kutscher, vorwärts zu machen.

Nachdem er sich entfernt hatte, erörterten Mutter und Tochter die
Vorgänge in einer möglichst sanften und sachlichen Weise.

Sie nahmen sich vor, auf Herrn von Knoop nach seiner Rückkehr versöhnlich einzusprechen, aber ihn auch bei der ersten sich dazu bietenden Gelegenheit zu bitten, daß sie ihr Leben anders einrichteten.

Mutter und Tochter hatten schon erfahren, daß man sie im Grunde doch nur als Emporkömmlinge ansah. Bei ihren Besuchen in der Nachbarschaft, auf den Gütern, war man ihnen wohl höflich, aber nichts weniger als sehr zuvorkommend begegnet.