Klamm ließ das Haupt sinken.
Gab's denn wirklich nur eine einzige auf der Welt, die ein Recht auf seine Liebe und unbedingte Verehrung besaß, sie, seine Mutter, die oben gewiß noch seiner wartete, damit er ihr, wie immer, einen Kuß auf die Wange drücke, und ihr „Gute Nacht“ sage.
Schatten umfingen seine Seele und trieben ihm eine grenzenlose Trauer ins Herz.
Fühlte sich Ileisa nebenan unglücklich, so unglücklich, daß sie schon von tiefen Wassern gesprochen, er, Klamm, hätte sich in diesem Augenblick mit seinem Leibe tief unten in der Erde gewünscht.
Er hielt Umschau! Lag's an ihm? War er zu anspruchsvoll? Waren die Menschen im Grunde gut und umgänglich? Verlangte er zu viel — hatte er etwas vom Philister an sich, der nicht in üblicher Weise mitgehen wollte und konnte. Er mußte diese Frage verneinen.
Er suchte ja grade das Gute bei allen, wennschon ihn seine Veranlagung die Schwächen der Menschen mit solcher Deutlichkeit erkennen ließ.
Befriedigte ihn seine Thätigkeit nicht? Gewiß, sie grade! Aber nicht der
Tand, das Hohle, das beides ihn stets angewidert hatte. —
Hatte er sich wirklich gegen seine Frau versehen? Nein! Ein weiches Gefühl ohne Nebengedanken hatte ihn fortgerissen, Ileisa so zu begegnen, so zu ihr zu sprechen, wie es geschehen war.
Er hatte einmal die Sehnsucht nach Glück durch das Zusammenleben mit einer Frau.
Die Gedanken gingen weiter.