Nachdem sich Friedrich entfernt hatte, brach Klamm das Schreiben auf, ließ sich in einen Sessel und las folgendes:

„Ich will in Grünhagen nicht mehr wohnen. Ich will nicht neben der Person noch eine Nacht sein, die sich dort eingenistet hat, um Dich zu umgarnen. Die ganze Gegend weiß es, daß sie höchst unglücklich mit ihrem neugeschaffenen Baron ist. Da wirst sie natürlich die Netze wieder nach Dir aus. — Ich mag und will aber auch nicht — ich wiederhole es — auf dem Lande verdorren und mich tot langweilen. Ich kehre nicht zurück, unter keinen Umständen.

Ich will aber gern mit Dir in Berlin leben und alles thun, damit Du
mit mir zufrieden bist.

Allerdings erwarte ich, daß auch Du Konzessionen machst. So geht es
nicht weiter.

Ich werde heute nacht im Askanischen Hof logieren. Der dort uns so
lange Jahre kennende Wirt wird nichts Auffälliges darin finden.

Morgen vormittag begebe ich mich in unsere Wohnung und werde alles zum
Aufenthalt herrichten.

Unsere Sachen bitte ich Dich, von unserem Dienstpersonal sofort einpacken und herbefördern zu lassen. Sie sollen auch selbst bis morgen abend spätestens hier sein.

Dich erwarte ich natürlich schon um Mittag und ich schließe nicht nur mit den Worten Corneilles:

‚Soyons amis‘, sondern sage: Seien wir sogar die alten, die wir einst waren. Es würde darüber glücklich sein, Deine, auch einmal einen Willen und ihre Neigungen besitzende Adelgunde.“

Der erste Gedanke, der Klamm kam, nachdem er diesen Brief gelesen hatte, war: daß Adelgunde seiner Mutter mit keiner Silbe gedacht hatte. Sie entbot die Dienstboten zu sich — seine alte Mama konnte sehen, wo sie blieb und was aus ihr wurde. Daß man ihr das Personal nahm, das für sie kochte und ihr aufwartete, kam gar nicht in Frage.