Dennoch sah er von einer Auseinandersetzung ab und sagte:
„Ich will, mag und kann heute abend mit dir nicht streiten. Du bist nicht sachlich, gerecht und logisch. Es wird sich ein geeigneter Augenblick finden. Ich wünsche, mich in mein Arbeitszimmer zurückzuziehen. Die Mädchen sollen mir etwas bereiten und auf den Tisch setzen. — Nachdem ich gegessen und noch eine Cigarre geraucht habe, werde ich mich ins Bett verfügen. Ich habe Schlaf und Ruhe sehr nötig. Es waren sehr gemütaufregende Stunden mit großer Anspannung —“
Nach diesen Worten zog er die Klingel, durchschritt das Gemach und begab sich in sein Zimmer.
Er machte sich auch daran, selbst Feuer in dem Ofen zu entzünden, gab — da seine Frau sich nicht regte — dem jetzt zurückgekehrten und eintretenden Diener Auftrag, ihm ein Abendbrot möglichst rasch herrichten zu lassen und ihm in seinem Zimmer zu servieren. So bemerkte er auch nicht, daß Adelgunde überhaupt das Haus verließ.
Sie ging über den Gutshof, erreichte den bereits mit Licht versehenen
Herrenstall und befahl dem Kutscher, sogleich anzuspannen.
Alsdann schritt sie in ihr Kabinett, schrieb einen Brief an ihren Mann, den sie vorläufig zu sich steckte, und war schon unterwegs nach Berlin, als es ihn nach beendigtem Mahle trieb, sich nach ihr umzusehen.
Klamm war nicht wenig erstaunt, und geriet in nicht geringe Erregung, als er seine Frau nicht fand, und ihm auf sein Befragen der Diener erklärte, daß die Frau Baronin nach Berlin gefahren sei und auch einen Brief zurückgelassen habe. —
„Einen Brief? Weshalb haben Sie mir den nicht gleich gebracht,“ stieß
Klamm schroff heraus.
„Die gnädige Frau hatte mir befohlen, ihn dem gnädigen Herrn erst auszuhändigen, wenn der gnädige Herr nach der gnädigen Frau fragen würden.“
„So — das ist etwas anderes. Sie können gehen! Ich werde rufen, wenn ich noch etwas brauche.“