Außerdem beschäftigte die Familie von Knoop ein Gespräch, dem sie tagsvorher während der Eisenbahnfahrt zugehört hatte.

Sie waren mit zwei Herren und zwei Damen zusammen gefahren, die sich, ohne zu wissen, daß sich Knoops mit ihnen zusammen im Coupé befanden, grade über sie unterhalten hatten.

Einer der Mitfahrenden hatte auf die Frage einer der Damen nach den
Gütern und Inhabern der Güter in dieser Gegend, hingeworfen:

„Behrwalde ist von einem früheren Buchdruckereibesitzer Knoop in Berlin erworben worden, nachdem er sich mit seinem, bei den Täglichen Nachrichten erworbenen Reichtum den Adel gekauft hatte.

„Es ist aber davon die Rede, daß er das Gut schon wieder veräußern will, weil sich die Familie in ihren Voraussetzungen getäuscht findet. Sie haben nämlich, als sie hier übersiedelten — so ist mir aus guter Quelle erzählt worden — den Anspruch erhoben, mit den umliegenden adeligen Gutsbesitzerfamilien zu verkehren, während diese ihnen zum Teil nicht einmal die Rücksicht eines Gegenbesuches erwiesen. Der ältere Adel ist gegenüber solchen gekauften ‚Vons‘ zurückhaltend. Dieser Herr Knoop soll schon von vorneherein durch Auftreten und aufdringliche Aeußerlichkeiten starke Opposition erregt haben.

„Wo es angeht und nicht angeht, bringt er unter anderem das neu geschaffene Wappen an, und bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit erzählt er gehobenen Hauptes, daß die Familie eigentlich zu dem ältesten Adel des Nordens gehöre und solchen nur seinerzeit abgelegt habe.

„Sie sollen bereits ganz allein stehen. Die angeseheneren Berliner
Familien, mit denen sie früher verkehrten, haben sich von ihnen
zurückgezogen weil bei ihnen das Protzen- und Strebertum: ‚sich an den
Adel heranzumachen‘, großes Mißfallen erregt hat.“

„Giebt's nicht auch einen jungen Knoop? Ich meine auch von ihm, und in ebenfalls nicht sehr vorteilhafter Weise gehört zu haben,“ hatte der zweite Herr gefragt.

„Ja! Allerdings! Von dem weiß ich noch Positiveres!! Der junge Mensch kam einige Zeit vor dem Verkauf des Geschäfts aus England zurück und spielte sich schon damals in lächerlicher Weise als Grand Seigneur auf. Jetzt gilt er als einer der bekanntesten und nicht grade bestbeleumdeten Berliner Lebemänner, der sich nur mit Sport, Weibern und Spiel beschäftigt. Jetzt eben höre ich, daß er bereits mit seiner erst vor wenigen Jahren geheirateten Frau in Scheidung liegt, und zwar lediglich aus dem Grunde, weil er ihrer überdrüssig geworden ist. Die Frau soll in jeder Richtung tadellos sein! — Na, ja! Es ist der übliche Verlauf der Dinge. Dem Alten ist das Geld in den Kopf gestiegen, und so verleugnet er seine bürgerliche Abstammung und seine Vergangenheit. Und wenn überdies Frauen ihren Ehrgeiz spielen lassen, weiß man, wie es geht. Gewisse Weiber können niemals genug Eitelkeiten treiben, und so verpulvern sie und der junge Tagedieb allmählich das Vermögen. Das Resultat solcher Ambitionen ist dann die Einbuße der Selbstachtung und der gänzliche Verlust dessen, was einst durch Fleiß, Ausdauer und Umsicht erworben ist.“

Margarete hatte sich in eine Ecke gedrückt, damit man die Thränen der
Scham nicht bemerke, die über ihre Wangen rieselten.