Hier befand sich ein alter, hochstöckiger Bau, der von mehreren Parteien bewohnt wurde, und diesen betrat Herr von Klamm.

Zur Rechten, im Flügel, drei Treppen hoch, zog er an einer Klingel, und nach kurzen Worten wurde ihm von einer gebückten, trotz einfacher Kleidung sehr vornehm aussehenden Dame geöffnet.

„Ach du, mein lieber Junge,“ stieß sie in glücklich gehobenem Ton heraus und schritt ihm in ein zweifenstriges, mit sauberen Mietmöbeln besetztes Wohnzimmer voran.

Nachdem Klamm seiner Mutter Wange sanft gestreichelt hatte, und sie sich beide gesetzt hatten, sagte er auf ihre stark belebte Frage:

„Nun? Nun? Wie ist's ausgefallen, Alfred? Du kommet doch von Herrn
Koop?“

„Knoop, Mama — nicht Koop,“ berichtigte Klamm.

„Es verlief alles gut, aber ich bin doch mit mir sehr unzufrieden. Ich habe eine Unwahrheit gesagt, die ich vielleicht — hätte vermeiden können. Ich schäme mich, daß es geschehen ist. Was bleibt von dem Menschen, wenn er sich zur Erreichung seiner Zwecke inkorrekter Mittel bedient!“

„Was ist's denn, Alfred! Lasse mich alles wissen! Vielleicht kannst du noch wieder gut machen,“ fiel die alte Dame, liebevoll sprechend, ein.

„Ich tastete hin, ob nicht auch Herr Knoop möglicherweise den üblichen
Verleumdungsbrief von Frau von Krätz erhalten habe.“

„Es war der Fall! Sie hat ihn geschrieben! Er ließ mich das immer gleichlautende Schriftstück lesen.