„Ich werde heute abend eine Reise antreten,“ warf Klamm, nachdem er seine Frau gelassen gegrüßt, nach bereits verzehrter Suppe hin. „Auch werde ich einige Tage fortbleiben, denke jedoch Ende der Woche zurückzukehren.“

„Ich weiß es — ich weiß alles,“ entgegnete Adelgunde, die ihm schon mit sehr verschlossener Miene gegenüber gesessen, mit ausdruckslosem Gesicht.

„Du weißt es?! Was weißt du?“

„Ich suchte dich in deinem Kontor auf, fand dich nicht, aber einen offen daliegenden Brief von der Person in Hamburg, den ich las —“

„Du liest Briefe ohne Erlaubnis. — Darüber muß ich mich wundern —“

Statt diesmal etwas zu entgegnen, sah Adelgunde ihren Mann erst mit einem kurzen Blick an. Dann legte sie die Serviette beiseite, lehnte sich in ihren Stuhl zurück, bedeckte ihr Angesicht und brach, während sich Thränen aus ihren Augen lösten, in die Worte aus:

„Wie war ich einst glücklich — und wie unglücklich fühle ich mich heute.“

„Ja, wir beide,“ bestätigte Klamm mit müder, trostloser Stimme.

Da der Diener in diesem Augenblick erschien, wußten sie ihre Erregung zu verbergen. Nachdem er aber gegangen, stand Klamm, gleichsam in besserem, mildem Besinnen auf, zog seine Frau auf das Kanapee und sprach:

„Warum peinigen wir uns gegenseitig, Adelgunde? Wollen wir nicht einmal frei mit einander reden, damit wir beide zur Ruhe gelangen können? Du sagst, du seist nicht glücklich. Warum bist du es nicht, da ich dich doch ganz gewähren lasse —“