Sie zog die Schultern wie jemand, der reden möchte, aber die Sprache nicht findet.
Klamm aber fuhr fort:
„Und da du mich nicht mehr liebst, entbehrst du auch nach der Richtung nichts mehr.
„Du kannst mich doch nicht mehr lieben, denn selbst die lebhafteste Empfindung erlischt, wenn sie keine Nahrung empfängt. Ich gestehe zu, daß ich dir nichts biete. Aber ich kann nicht geben, was ich nicht besitze.“
Adelgunde bewegte mit der Miene tiefster Bitterkeit das Haupt. Dann stieß sie heraus:
„Ah! Ich begreife! Da du heute zu ihr reisen willst, nimmst du die
Gelegenheit wahr, mich für immer zu verabschieden.“
Klamm sah seine Frau, mit sanftem Vorwurf im Auge, an.
„Nein!“ entgegnete er dann. „Ich verband mit meiner Bitte gar keine Nebengedanken. Ich wollte nur mit dir überlegen, welchen Modus wir jetzt, nach deiner Rückkehr, nach Mamas Tode, wählen könnten, uns nicht zu trennen, aber nebeneinander ohne Verstimmung einzurichten. Und ferner: Von mir wird der Vorschlag, ganz auseinander zu gehen, niemals gemacht werden.“
„Und weshalb nicht?“
„Meine Dankbarkeit gegen dich verbietet es. Es wäre ein Akt größter
Undankbarkeit —“