„Ich will nicht, ich kann nicht. Es muß kommen, wie es muß. Unzählige Male war's schon das letzte Mal. Nach sechs Monaten kommt er doch wieder und hat neue Gründe! Und die Sprache, die er schon wiederholt gegen mich geführt hat! Es ist ohne Gleichen! Nein, nein! Ich bin mit ihm fertig. Ich betrachte ihn längst nicht mehr als zu mir gehörig!“
Nun sagten die Damen nichts, aber Frau Fanny nahm sich vor, doch noch einmal vor'm Schlafengehen auf ihren Mann einzusprechen. Sie wollte es thun, obschon eine gewisse, entschiedene Art sie bisher stets belehrt hatte, daß mit ihm schwer etwas anzufangen war. —
* * * * *
Der Abend, an welchem der Ball bei Knoops stattfinden sollte, war herangekommen. Während in den Seitenflügeln: in dem Kontor und den übrigen Räumen noch die Arbeitslichter flammten und die Scheiben in den großen Gebäuden von oben bis unten erhellten, fuhren Equipagen auf Equipagen vor das Portal des Wohnhauses des Herrn Friedrich Knoop.
Und er und die Familie standen in ihren durch mächtige strahlende
Kronenerleuchteten Gemächern, und warteten vorn bei der Eingangsthür der
Gäste, bis sich alle mit Ordensbändern geschmückten Herren, und alle in
ihren kostbaren Gewändern einherrauschenden Damen eingefunden hatten.
Nur Herr von Klamm fehlte noch. Er fehlte, obschon er die Anordnungen übernommen hatte. Freilich, seine eigentliche Thätigkeit nahm erst ihren Anfang nach dem Abendessen. Aber seine Anwesenheit beim Erscheinen der Gäste, war doch von Herrn Knoop vorausgeht worden, und sein Ausbleiben begann ihn zu beunruhigen.
„Er ist sicher noch im Kontor!“ erklärte Margarete. „Er sagte neulich, er habe grade am Ballabend noch ziemlich spät im Geschäft zu thun, werde sich aber nach Möglichkeit einrichten.“
Als er noch immer nicht erschien, sandte Herr Knoop Adolf zu ihm.
Herr Knoop lasse freundlichst bitten, daß Herr von Klamm sogleich komme.
Man wolle zu Tisch gehen.
Indessen war es überflüssig! Grade trat er durch die Mittelthür ein, sprach Herrn Knoop seine Entschuldigung aus und richtete seine scharfbeobachtenden Augen auf seine Umgebung.