Die junge Dame sprach die Worte in einem von Eifersucht nicht freiem
Tone.
„Sie irren durchaus, gnädiges Fräulein! Wenn ich überhaupt meiner Passion nachgeben dürfte — ich werde nämlich sicher niemals heiraten — so würde ich eines Tages ein gewisses Haus betreten, dort nach dem Ministerialdirektor von Wiedenfuhrt fragen, und ihn bitten, bei seiner überaus schönen und überaus klugen Fräulein Tochter Margot ein gutes Wort für mich einzulegen.“
Kaum, nachdem Klamm so gesprochen hatte, erhob das junge Mädchen den
Kopf und sah Klamm mit einem durchdringenden Blick an.
„Daß auch Sie, Herr von Klamm“ — begann sie steif im Ton — „zu den Leuten gehören, die selbst in ernsten Augenblicken fade Spielereien treiben, hätte ich nicht gedacht. Ich bin heute um eine Erfahrung reicher geworden.“
„Aber mein Fräulein — mein gnädiges Fräulein“ — fiel Klamm nicht wenig überrascht, ja, bestürzt ein. „Ich bitte! Welche Sprache! Wodurch gab ich Ihnen Anlaß, so mit mir ins Gericht zu gehen?“
„Sie werden eher begreifen, wenn ich Ihnen mitteile,“ fuhr sie unbeirrt fort, „daß man allgemein davon spricht, daß Sie verlobt sind und alles daran setzen, diese Verlobung mit einem armen Mädchen rückgängig zu machen, deshalb nämlich, um Fräulein Knoop zu heiraten. So spielen Sie also nun jedenfalls mit dreien: mit Ihrer Braut, mit Fräulein Knoop, mit Fräulein von Oderkranz, und wenn ich natürlich Ihre an mich gerichteten Worte als einen, wenn auch recht ungeschickt gewählten Scherz betrachte — mit mir!“
Klamm erschrak. Unversehens that sich vor ihm ein bisher gar nicht vermuteter Abgrund auf. Aber noch mehr! Ehe er etwas zu entgegnen vermochte, fuhr die junge Dame fort:
„Ich will ganz offen sein! Ich will alles sagen, Herr von Klamm. Neulich hat mein Vater einen anonymen Brief empfangen, in dem er vor Ihnen gewarnt wird.“
„Ah! Die alte Infamie einer mich rachsüchtig verfolgenden
Persönlichkeit!“ fiel Klamm, nachlässig verächtlich im Ton, ein.
„Das schreckt mich nicht, gnädiges Fräulein. Ich wäre im stande, Ihnen den Wortlaut dieses Schriftstücks — es hat nämlich immer den gleichen Inhalt — aus dem Kopfe wiederzugeben. Anders aber ist es mit dem, was Sie sonst äußerten. Hier bedarf es dringend der Aufklärung. Ich bitte, daß Sie mir einmal nächstens eine Unterredung gewähren.