„Die wissen nichts. Sie haben ihn auf einem Ball beim Kommerzienrat
Kügelchen kennen gelernt.

„Vielleicht vermag der Näheres zu sagen! Papa könnte sich ja dort nach ihm erkundigen.

„Ist er kein Gentleman, so brauchen wir ihn nicht einzuladen.“

„Ich werde schon zutreffende Erkundigungen über ihn einziehen, Kinder. Vorderhand werde ich mir heute selbst ein Urteil zu bilden suchen. Also rege dich nicht vor der Zeit unnötig auf, gute Frau Fanny.“

Bei diesen Worten suchte Knoop das Auge seiner Gattin, und sie zog ein schelmisches Gesicht. Grete aber bemerkte:

„Ich fragte Hauptmann von Uelzen nach ihm. Er sagte, die Klamms stammten aus Sachsen. Er sei ursprünglich österreichischer Offizier und dann einige Zeit im Ausland gewesen.

„Er halte sich hier seit anderthalb Jahren auf und suche eine
Thätigkeit, verkehre in den besten Kreisen, und mache immer den
Eindruck, daß er gut bei Kasse sei.“

„Nun wohl! Sehr schön! Sorge also für ein gutes Frühstück, Fanny, und empfangt ihn artig. Wir sehen dann weiter. — Ich muß jetzt —“

Knoop sah nach der Uhr und stand — im übrigen bedächtig im Wesen — rasch auf, legte die Serviette beiseite, schob den Stuhl mit einem ihm anhaftenden, starken Ordnungssinn unter den Tisch. Dann streichelte er, gutmütig lächelnd, Frau und Tochter die Wangen, warf auch noch beim Fortgehen ein Scherzwort hin und verließ das Zimmer.

Vor dem Garten- und Frühstückssalon befand sich ein schöner, heller Flur, der in Marmor ausgeführt war. Von ihm führten seitlich Thüren in die verschiedenen unteren Gemächer. Nach oben vermittelte eine in der Höhe durch eine Gallerie verbundene Marmortreppe den Auftritt. Dort befand sich ein großer Tanzsaal mit Nebenstuben, und dort lagen die Schlafräume, während sich unten die Wohn- und Gesellschaftszimmer ausdehnten.